ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2011Aggression: Zu einfach
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Der Artikel stellt eine Simplifizierung eines komplexen Themas und darüber hinaus eine Stigmatisierung aggressiver Kinder und Jugendlicher dar. Das Forum der Zeitschrift wird genutzt, um aggressives Verhalten als generell klinisch pathologisch zu identifizieren.

Aggressionen sind von Menschengedenken an eine treibende Kraft. Ohne Aggressionen würde zum Beispiel ein „trotzendes“ Kind keine Fortschritte in seiner Entwicklung erzielen und Wandlung nicht erreichen. In keiner Weise lässt sich dem Artikel entnehmen, wo pathologisch aggressives Verhalten anfängt, die Behandlung wird einzig auf das kognitiv-behaviorale Verfahren ausgerichtet.

Angesichts der Tatsache, dass beide Professoren eine auf dieses Behandlungsverfahren ausgerichtete Institution leiten, ist ihre Intention unverkennbar. Dennoch scheint an beiden Verfassern die Novellierung des Psychotherapeutengesetzes aus dem Jahr 1998 vorbeigegangen zu sein.

Das Spektrum ambulant tätiger Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en ist vielfältig und einzigartig im Gesundheitswesen der europäischen Gemeinschaft; ebenso deren Aufgabenstellung. Denn im Gegensatz zu den beiden Autoren müssen ambulante Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut(inn)en die zitierte Prävention, Kooperation und Netzwerkbildung von Beginn ihrer vertragspsychotherapeutischen Leistungserbringung an eingehen. Hinter den aggressiven Verhaltensstörungen stecken nicht selten vielschichtige Ätiologien, die nicht erst mit Fortschreiten der Aggressionen entstehen. Da aggressives Verhalten ähnlich gesellschaftlich unerwünscht ist wie die ehemaligen „Zappelphilippe“ (heute ADS- oder ADHS-Kinder), trägt der Artikel nur dazu bei, Kinder und Jugendliche mit einem neuen Stigma zu belegen . . .

Dipl.-Päd. Jutta Grossekemper,
45894 Gelsenkirchen

Heribert Kellnhofer, 1. Vorsitzender des Kompetenznetzwerkes Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen Westfalen-Lippe e.V. (KKJPWL), 57076 Siegen

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