ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2011Bundesverband Deutscher SchriftstellerÄrzte: Freundschaft und Gedankenaustausch

KULTUR

Bundesverband Deutscher SchriftstellerÄrzte: Freundschaft und Gedankenaustausch

Dtsch Arztebl 2011; 108(4): A-177 / B-139 / C-139

Albrecht, Silke; Steger, Florian

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Derzeitiger Verbandspräsident des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte ist der Nervenarzt Dr. med. Harald Rauchfuss. Foto: privat
Derzeitiger Verbandspräsident des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte ist der Nervenarzt Dr. med. Harald Rauchfuss. Foto: privat

Der Jahreskongress 1970 gilt als Geburtsstunde der Vereinigung von Arztautoren.

Der Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte feierte vor kurzem sein 40. Jubiläum. Zwar wurde der Verband schon 1969 gegründet, doch erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister erst im Jahr danach. Der Jahreskongress 1970, auf dem sich der Verband erstmals der Öffentlichkeit und Presse vorstellte, gilt als offizielle Geburtsstunde der Vereinigung. Die Presse fand unter den damaligen Mitgliedern nicht auf Anhieb Ärzte-Literatengrößen wie Schiller, Benn oder Carossa, doch gab und gibt es Mitglieder, die entweder als Ärzte erfolgreich sind und waren oder die sich einen Namen in der deutschen Literatur gemacht haben.

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1965 wurde die Weltorganisation der Schriftstellerärzte „Union Mondiale des Ecrivains Médecins“ (UMEM) ausgehend von einer nationalen Gruppe in Frankreich gegründet. Andere Länder oder Einzelpersonen, wenn im jeweiligen Land noch keine eigene Gruppe bestand, traten der UMEM als Dachverband im Laufe der Jahre bei. Auch deutsche Ärzte, die schriftstellerisch tätig waren, lernten sich in den 60er Jahren auf den internationalen Treffen der UMEM kennen, tauschten sich mit den ausländischen Kollegen aus und lasen aus ihren Werken vor.

Unterstützt durch den Pharmazeuten Arthur Boskamp entstanden einzelne Landesgruppen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern. 1969 schlossen sich diese zu einer gemeinsamen Vereinigung als Bundesverband Deutscher Schriftstellerärzte unter der UMEM zusammen. Seit 1970 wurden weitere Landesgruppen gegründet, aufgelöst oder wiederbelebt. Der Verein erhielt den Status der Gemeinnützigkeit, so dass er auf Wunsch Spendenbescheinigungen ausstellen kann. Zeitweise zählte der Verband mehr als 250 Mitglieder, die vom Landarzt bis zum Professor aus verschiedenen Fachrichtungen kamen. Heute sind es knapp 160. Auch Tier- und Zahnärzte sowie Pharmazeuten und Journalisten nahmen an Lesungen der Landesgruppen und an den Jahreskongressen des Vereins teil. Auf den Kongressen, die analog zu denen der UMEM jedes Jahr an einem anderen Ort stattfanden, tauschten sich Mitglieder, Gäste und Freunde aus.

Bis heute haben sich die Inhalte der Kongresse und die Ziele des Verbandes kaum verändert: Die Mitgliedschaft im Verband soll ein Kennenlernen von anderen Arztautoren ermöglichen, Freundschaften aufbauen und intensivieren sowie der Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten dienen. Die internationalen Treffen im Kreis der UMEM tragen zu Freundschaft und Gedankenaustausch bei. Lesungen in Krankenhäusern und Versorgungsheimen sollen kranke und pflegebedürftige Menschen unterhalten und aufmuntern. Derzeitiger Verbandspräsident ist der Nervenarzt Dr. med. Harald Rauchfuss.

Vor 25 Jahren wurde die Bibliothek des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte in der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung in Bad Nauheim eröffnet. Seither wuchs die Sammlung der von Ärzten geschriebenen Literatur stetig. Heute beherbergen zwei große Zimmer, an deren Wänden sich lange, gefüllte Bücherregale erstrecken, mehr als 2 400 Werke von circa 800 Arztautoren verschiedener Fachrichtungen.

Die Bücher, die zusammen einen Großteil des literarischen Schaffens von deutschen Ärzten vom 18. Jahrhundert bis heute dokumentieren, sind alphabetisch nach Autorennamen sortiert und liegen als unveröffentlichtes Manuskript, Eigendruck, Erstveröffentlichung, Nachdruck, Neuauflage, Liebhaberausgabe, Faksimiledruck oder im Sammelband vor. 1984 beschlossen die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Schriftstellerärzte unter ihrem damaligen Präsidenten Wilhelm Theopold (1915–2009), eine feste Verbandsheimat zu gründen. Gespräche mit dem damaligen Geschäftsführer der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen führten zu der Entscheidung, eine eigene Bibliothek und ein Verbandsarchiv in den Räumen der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung in Bad Nauheim einzurichten. 1985 sollten auch vorherige Sammlungen, die sich beispielsweise in Hamburg, Marbach oder Stuttgart befanden, zusammengefasst und teilweise in die Bibliothek übernommen werden. Seitdem wuchs die Bibliothek in Schüben. Großen Zuwachs erhielt sie im Laufe der Jahre durch Nachlässe, Spenden, Antiquariatsschenkungen, Werkeinsendungen einzelner Autoren und Eigendrucke.

Silke Albrecht
Priv.-Doz. Dr. med. Florian Steger

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