ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2011Börsebius: Glanzvolles Debüt?

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Börsebius: Glanzvolles Debüt?

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Da sind sie wieder, die Jubeljournalisten. Und einer schreibt möglicherweise vom anderen ab. In den Headlines nahezu aller Zeitungen stand jüngst zu lesen, dem Europäischen Rettungsfonds EFSF (European Financial Stability Facility) sei ein glanzvolles Debüt gelungen, und die Investoren hätten sich um die erste Anleihe des Euro-Fonds nur so gerissen. Zwischen den Zeilen mag denn auch die Botschaft mehr als durchschimmern, die Finanzmarktkrise sei auf einem guten Weg, in die Geschichtsbücher als mittlerweile bewältigt einzugehen.

Also: In der Tat ist die erste Anleihe (Bond) zur Finanzierung der Irlandverschuldung am Markt ziemlich gut angekommen. Für nominal fünf Milliarden Euro gingen von mehr als 500 institutionellen Investoren Kaufaufträge über fast 45 Milliarden Dollar ein, demnach ist hier eine sagenhafte Überzeichnung um nahezu das Zehnfache festzustellen gewesen. Dieser gewaltige Erfolg riss die Politik auch gleich zu Beifallsstürmen hin. Rainer Brüderle gab seine Zuversicht vollmundig zu Protokoll. „Das zeigt, dass das Vertrauen in die europäische Handlungsfähigkeit ganz offensichtlich ist“, meinte der Bundeswirtschaftsminister recht keck. Und der Chef des Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling, legte auch noch einen auf die Latte drauf, in dem er aus dem großen Investoreninteresse schloss, dass die Überzeichnung die Strategie des EFSF bestätige, die Finanzstabilität in der Eurozone wiederherzustellen.

Halt. Halt. Halt. Mehr als ein Grundstein kann das ja wohl alles nicht sein, bestenfalls ein gelungener Anfang. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Erfolg vor allem auf dem Interesse asiatischer Investoren beruht, die fast 40 Prozent der Bonds gekauft haben. Die hohe Nachfrage resultiert aber auch vor allem aus dem Herdentrieb und dem Hörensagen über den Obergefreitendienstweg, dass man soundso viel mehr zeichnen müsse, um die dann tatsächlich gewünschte Quote zu erhalten. Sie kennen solche Prozeduren noch aus den früheren Neue-Markt-Emissionen.

Die Überzeichnung erklärt sich auch eo ipso.

Was soll schon bei einer Emission passieren, hinter der nicht nur ein Schuldner alleine steht, sondern eben eine ganze Gemeinschaft (europäischer Staaten), zumal es sich eben, wie erwähnt, mit fünf Milliarden Euro um eine vergleichsweise kleine Tranche handelt. Was aber wird sein, wenn mehrere Hundert Milliarden Euro – bis zu einer Billion ist ja immerhin die Rede – aufgerufen werden? Erst wenn die wirklich großen Brocken gutgehen, lässt sich am Ende jubilieren.

Es wird also noch viel Wasser den Rhein und noch etliche andere europäische Gewässer hinablaufen müssen, bis aus dem Rettungsfonds EFSF eine echte Erfolgsgeschichte wird und die Finanzmarktkrise als wirklich erledigt in die Geschichtsbücher einzieht.

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