ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1997Deutscher Ärztinnenbund: Berufspolitischen Einfluß stärken

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Deutscher Ärztinnenbund: Berufspolitischen Einfluß stärken

Korzilius, Heike

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LNSLNS Der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) hat eine neue Präsidentin. Dr. med. Astrid Bühren, Ärztin für Psychotherapeutische Medizin, will sich vor allem auf berufspolitische Themen konzentrieren und den Einfluß ihres Verbandes in diesem Bereich stärken. Die diesjährige Mitgliederversammlung des Ärztinnenbundes fand im Rahmen des XXV. Wissenschaftlichen Kongresses des DÄB Ende September in Wuppertal statt.
Wir müssen uns auf wenige Themen konzentrieren", sagte Dr. med. Astrid Bühren nach ihrer Wahl zur Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. Sie löst die bisherige Präsidentin Dr. med. Ute Otten in ihrem Amt ab. Eines der wichtigsten Ziele, das sich Bühren für ihre Amtszeit gesteckt hat, ist, Ärztinnen entsprechend ihres prozentualen Anteils an der berufspolitischen Arbeit zu beteiligen. Denn noch immer seien Ärztinnen in den Gremien der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen völlig unterrepräsentiert. "Das Mitgestaltungspotential von Frauen darf nicht verlorengehen," begründet Bühren ihre Forderung. Um mehr Ärztinnen zu ermuntern, sich berufspolitisch zu betätigen, sollen künftig Seminare zur Gremienarbeit angeboten werden. Unterstützt wird dieses Anliegen durch einen Beschluß, den die Mitgliederversammlung in Wuppertal gefaßt hat. Sie fordert darin Ärzte- und Zahnärztekammern sowie Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Vereinigungen auf, in ihren Wahlordnungen eine Quotierung von Ärztinnen und Zahnärztinnen festzuschreiben, die ihrem prozentualen Anteil entspricht.
Einen zentralen Stellenwert hat für Bühren auch das Job-sharing. Viele Ärztinnen sähen darin eine Möglichkeit, den Wiedereinstieg in den Beruf zu schaffen oder Familie und Berufstätigkeit miteinander zu vereinbaren. Der Ärztinnenbund hat deshalb an die Krankenkassen und die Kassenärztlichen Vereinigungen appelliert, die im zweiten Neuordnungsgesetz enthaltene Regelung des Job-sharing zügig umzusetzen. Da der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen bereits entsprechende Richtlinien beschlossen hat, die derzeit Ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer zur Genehmigung vorliegen, scheint einer Umsetzung innerhalb der nächsten Monate nichts im Wege zu stehen (siehe dazu den Leitartikel in diesem Heft).
Berufs- und frauenpolitische Bedeutung mißt Bühren auch der Gesetzgebung zum Mutterschutz bei. Diese Regelung mutiere häufig zum Einstellungs- und Weiterbildungshindernis. "Wir wollen auf keinen Fall die Mutterschutzgesetze in Frage stellen", stellte Bühren klar. "Wir wollen nur einen politischen Anstoß geben, die Gesetzgebung von wissenschaftlichen Experten sinnvoll überarbeiten zu lassen."
Weiterhin fest zum Programm auch der neuen Präsidentin gehört die Vernetzung von Frauen untereinander: "Den jungen Kolleginnen fehlen Rollenmodelle". Die Frage: "Deutscher Ärztinnenbund? Was ist das?" müsse schnellstmöglich der Vergangenheit angehören. Der Ärztinnenbund zählt derzeit rund 2 000 Mitglieder. Bührens Wunschvorstellung ist es, langfristig 10 Prozent der berufstätigen Ärztinnen zu integrieren. Als der Verband 1924 gegründet wurde, waren immerhin 20 Prozent aller Ärztinnen als Mitglieder organisiert. Um ihr Ziel zu erreichen, will Bühren bereits an den Hochschulen ansetzen. An den Universitäten in München, Hamburg und Bochum stellen sich beispielsweise im Rahmen eines "Berufsfelderkundungsblocks" im ersten Semester erfahrene Ärztinnen aus unterschiedlichen medizinischen Fachdisziplinen den Studenten und Studentinnen vor. Den (angehenden) Ärztinnen soll vermittelt werden, daß es möglich ist, berufliche Ziele zu erreichen, ohne auf eine Familie verzichten zu müssen. Symbolisch für die Situation von Ärztinnen in Deutschland ist nach Ansicht von Bühren immer noch, daß es bislang keine Ordinaria für Gynäkologie gegeben hat.
Kongreßthema:
Frauen im Alter
Der XXV. Wissenschaftliche Kongreß des Deutschen Ärztinnenbundes stand unter dem Thema "Frauen im Alter - Medizin für eine Mehrheit". Dr. med. Ute Otten betonte, das Thema sei medizinisch und gesellschaftspolitisch brisant. Frauen stellten die Mehrheit der älteren Bevölkerung und hätten Anspruch auf ein möglichst langes selbständiges Leben in vertrauter Umgebung. Viel zu wenig werde der Zusammenhang zwischen der Entstehung von Krankheiten und den gesellschaftlichen Bedingungen von älteren Frauen erforscht. Zudem gebe es große Forschungsdefizite beispielsweise auf dem Gebiet der Harninkontinenz. Statistisch seien Herz-KreislaufErkrankungen und Schlaganfall die häufigsten Todesursachen bei Frauen und verursachten neben der Osteoporose langandauernde Pflegebedürftigkeit. Rund 85 Prozent der Heimpflegeplätze würden von Frauen belegt. Heike Korzilius
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