ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2011Analysen unverzichtbar
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Die Autoren um Martin Messelken haben in ihrem äußerst gelungenen Beitrag eine wertvolle und relevante Analyse zum Notarztsystem im Baden-Württemberg dargestellt (1). Im Gegensatz zu kleinen, punktuellen Analysen ist die hier vorgestellte Untersuchung einzigartig, denn sie präsentiert umfassende Daten über einen langen Zeitraum für (nahezu) das ganze Bundesland. Hierzu möchte ich den Autoren ausdrücklich gratulieren, denn derartige Analysen durch Notfallmediziner sind mittlerweile unverzichtbar und deshalb von herausragender Bedeutung.

Neben deskriptiven Qualitätsmerkmalen konnte die Untersuchung insbesondere einen Aspekt vorzüglich aufzeigen:

Gesetzliche Vorgaben zur Hilfsfrist, wie sie im Gesetz über den Rettungsdienst von Baden-Württemberg (RDG-BW § 3 Abs. 2) unmissverständlich festgelegt sind (2), werden seit Jahren bei Weitem nicht eingehalten und außerdem konsequent ignoriert („… Hilfsfrist […] möglichst nicht mehr als 10, höchstens 15 Minuten betragen.“). Hierbei wird eine Erfüllungsquote von 95 % angesetzt (3), die aber in weniger als 92,05 % erreicht wird (1). Dieses strukturelle Qualitätsproblem besteht nachweislich mindestens seit dem Jahr 2005 (1).

Ebenfalls erschreckend ist die Anzahl der teilnehmenden Standorte an der landesweiten NADOK-Auswertung: Aktuell nehmen nur 106 von 130 Standorten teil (81,5 %). Warum wird es toleriert, dass etwa 20 Prozent aller Notarztstandorte nicht an der verpflichtenden Auswertung teilnehmen?

Der in anderen Bundesländern fest etablierte Ärztliche Leiter Rettungsdienst (ÄLRD) wurde auch mit der Novelle des RDG-BW leider nicht eingeführt, so dass umfassende Qualitätsanalysen aktuell in Baden-Württemberg nur in einem unzureichenden Maße vorhanden sind. Mit der Installation eines ÄLRD in Baden-Württemberg könnten die erwähnten Strukturprobleme einerseits qualifiziert und neutral analysiert, andererseits aber auch energisch angegangen und korrigiert werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0094a

PD Dr. med. Jochen Hinkelbein, DESA

Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin

Universitätsklinikum Köln

Kerpener Straße 62

50937 Köln

E-Mail: jochen.hinkelbein@uk-koeln.de

1.
Messelken M, Kehrberger E, Dirks B, Fischer M: The quality of emergency medical care in Baden-Württemberg (Germany): Four years in focus. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(30): 523–30. VOLLTEXT
2.
Gesetz über den Rettungsdienst (Rettungsdienstgesetz – RDG) von Baden-Württemberg in der Fassung vom 08. Februar 2010. GBl. 2010, 285
3.
Hinkelbein J, Gröschel J, Krieter H: Definition von Zeitpunkten und Zeitabschnitten zur Beschreibung der Struktur- und Prozessqualität im organisatorischen Rettungsablauf. Notarzt 2004; 20(4): 125–32.
1.Messelken M, Kehrberger E, Dirks B, Fischer M: The quality of emergency medical care in Baden-Württemberg (Germany): Four years in focus. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(30): 523–30. VOLLTEXT
2.Gesetz über den Rettungsdienst (Rettungsdienstgesetz – RDG) von Baden-Württemberg in der Fassung vom 08. Februar 2010. GBl. 2010, 285
3.Hinkelbein J, Gröschel J, Krieter H: Definition von Zeitpunkten und Zeitabschnitten zur Beschreibung der Struktur- und Prozessqualität im organisatorischen Rettungsablauf. Notarzt 2004; 20(4): 125–32.

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