ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2011Faktor-Xa-Hemmer Apixaban: Thromboseprophylaxe nach Hüftgelenkersatz

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Faktor-Xa-Hemmer Apixaban: Thromboseprophylaxe nach Hüftgelenkersatz

Dtsch Arztebl 2011; 108(6): A-270 / B-215 / C-215

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Jahr 2009 bei 213 174 Patienten künstliche Hüftgelenke eingesetzt, in der Liste der häufigsten Operationen steht der Eingriff damit auf Platz 7. Trotz Prophylaxe treten bei 15 bis 20 % der Patienten subklinische tiefe Venenthrombosen (TVT) und bei 2 bis 4 % symptomatische Thromboembolien in den ersten 3 Monaten nach dem Eingriff auf.

Mit Apixaban befindet sich nach Rivaroxaban ein weiterer hochselektiver, oral applizierbarer Faktor-Xa-Inhibitor in der Entwicklung, der kein regelmäßiges Monitoring der Gerinnungsparameter erfordert. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden nun im Vergleich zu Enoxaparin bei Patienten nach Hüftgelenkersatzoperation untersucht (1). In der von Bristol-Myers-Squibb und Pfizer finanzierten ADVANCE-3-Studie (Apixaban dosed orally versus anticoagulation with injectable enoxaparin to prevent venous thromboembolism) erhielten 5 407 Patienten randomisiert und doppelblind über 35 Tage Apixaban (zweimal 2,5 mg p.o./Tag) oder Enoxaparin (40 mg s.c./Tag). Die Apixaban-Einnahme begann 12 bis 24 Stunden nach dem Wundverschluss, die Enoxaparin-Gabe 12 Stunden vor dem Eingriff. Der primäre Endpunkt umfasste asymptomatische oder symptomatische TVT, nichttödliche Lungenembolie oder Tod jeder Ursache während der Behandlungszeit. Nachgewiesen werden sollte die Nichtunterlegenheit von Apixaban. Gelang dies, konnte laut Studiendesign auch auf Überlegenheit getestet werden. Der primäre Endpunkt trat bei 27 (1,4 %) Patienten in der Apixaban- und 74 (3,9 %) in der Enoxaparin-Gruppe auf: eine Risikoreduktion von 2,5 Prozentpunkten und eine Senkung des relativen Risikos durch Apixaban um 74 % (p < 0,001 für Nichtunterlegenheit und Überlegenheit). Schwere und klinisch relevante Blutungen traten bei 4,8 % der Patienten mit Apixaban und 5,0 % mit Enoxaparin auf, das Blutungsrisiko stieg mit dem Faktor-Xa-Hemmer nicht.

Fazit: Die Daten belegen, dass Apixaban bei Patienten nach Hüftgelenkersatzoperation eine bessere thromboseprophylaktische Wirkung hat als Enoxaparin bei nicht erhöhtem Blutungsrisiko. In einem Editorial wird darauf hingewiesen, dass die oralen Faktor-Xa-Hemmer in der Thromboseprophylaxe eine große Rolle spielen werden, wenn ihre Wirksamkeit bei einem breiten Patientenspektrum nachgewiesen werden kann und die Preisgestaltung wohl überlegt sein wird (2).

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Lassen MR et al.: Apixaban versus enoxaparin for thromboprophylaxis after hip replacement. NEJM 2010; 363: 2487–98.
  2. Hylek E: Therapeutic potential of oral factor Xa inhibitors. NEJM 2010; 363: 2559–61.

Modifiziert nach: NEJM 2010; 363: 2487–98

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige