ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2011Traditionelle tibetische Medizin: Chirurgie im alten Tibet

KULTUR

Traditionelle tibetische Medizin: Chirurgie im alten Tibet

Dtsch Arztebl 2011; 108(6): A-285 / B-229 / C-229

Triesch, Holm

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Illustrationen von 83 Instrumenten aus dem 17. Jahrhundert

Foto: Holm Triesch
Foto: Holm Triesch

Die mehr als 1 000 Jahre alte traditionelle tibetische Medizin ist im Westen vor allem durch Kräutertherapien sowie Puls- und Urindiagnostik bekanntgeworden. Weniger beachtet wird dagegen die Tatsache, dass die Ärzte im alten Tibet an ihren Patienten auch kleinere chirurgische Eingriffe vornahmen. Die Chirurgie wurde allerdings erst als letztes Mittel bei der Behandlung eines Patienten eingesetzt.

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Sterilisation war unbekannt, demzufolge gab es regelmäßig hohe Infektionsrisiken, was unter anderem auch dazu führte, dass im achten Jahrhundert eine Operation an der Mutter der damaligen tibetischen Königin fehlschlug und die Chirurgie offiziell untersagt wurde. Kleinere Operationen zur Behandlung des grauen Stars und Hämorrhoiden, zur Entwässerung des Körpers und auch an Lunge und Bauch wurden aber dennoch weiter vorgenommen.

Im alten Tibet wurde eine Vielzahl von chirurgischen Instrumenten und Techniken erfunden. So sind im „Blue Beryll“, dem bebilderten Standardwerk der tibetischen Medizin, 83 chirurgische Instrumente aufgeführt, die im 17. Jahrhundert erstmals auf einem Rollbild zusammen mit weiteren 76 anderen Bildern zur Medizinlehre illustriert wurden.

Einige alte chirurgische Besteckkästen haben bis heute die Zerstörung der tibetischen Kultur durch die chinesische Kulturrevolution überstanden. Es gab Sonden, die für die Erkundung von Schädelfrakturen und zur Exzision von Hämorrhoiden verwendet wurden. Eine Reihe von röhrenförmigen Sonden mit seitlichen Öffnungen diente der Behandlung von Hämorrhoiden.

Ferner wurden Zangen zur Extraktion von Fremdkörpern aus Muskelgewebe und Sehnen eingesetzt. Lanzetten dienten für Einschnitte in das Muskelgewebe. Um durch Löcher Flüssigkeiten oder Dämpfe aus verschiedenen Teilen des Körpers entweichen zu lassen, bediente sich der Arzt diverser Stilette. Des Weiteren standen Hilfsinstrumente wie Sägen, scharfe Messer und Katheter in verschiedenen Formen und Längen zur Verfügung.

Holm Triesch

INFORMATIONEN

In Zusammenarbeit mit dem Dharmapala Thangka Centre, School of Thangka Painting, Kathmandu/Nepal, besteht die Möglichkeit, sich Kopien der historischen, einzigartigen Rollbilder der tibetischen Medizin anfertigen zu lassen. Jedes Bild wird individuell in Nepal angefertigt (Dauer vier bis zwölf Monate). Außerdem stehen drei chirurgische Besteckkästen zum Verkauf. Aus dem Erlös des Verkaufs erhält das Hilfswerk „Kinderhilfe Nepal e.V.“, Frankfurt am Main, einen Anteil von 20 Prozent. Der Verein unterstützt vier Slums in Kathmandu. Informationen: Holm Triesch, Robert-Stolz-Weg 3, 28215 Bremen, Telefon: 0421 370121, Fax: 0421 496 2851, E-Mail: holm.triesch@bremen.de, Internet: www.thangka.de

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