ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2011Dialyse nach Gadoliniumgabe?
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In dem umfassenden Beitrag werden die „speziellen Aspekte der Arzneimitteltherapie bei Niereninsuffizienz“ dargestellt. Für die hier vorgeschlagene sofortigen Hämodialyse nach Gabe von Gadolinium bei einer eGFR < 30 mL/min ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Die Empfehlungen, nach Gadoliniumgabe bei einer eGFR < 30 mL/min eine Hämodialysebehandlung anzuschließen, beziehen sich in erster Linie auf Patienten, die sich ohnehin schon in einem chronischen Dialyseprogramm befinden. Patienten mit einer GFR < 30 mL/min gezielt zur Eliminierung von Gadolinium mit einem zentral venösen Katheter zu versorgen und eine Dialyse anzuschließen entspricht weder der täglichen Praxis noch den Empfehlungen.

In einem anderen Abschnitt wird über die Verordnung von Metformin bei einer sich zunehmend verschlechternden Nierenfunktion gewarnt und bei einer eGFR unter 60 mL/min eine Umstellung auf einen DPP-IV-Hemmer „Sitagliptin“ empfohlen. Die Dosis soll ab einer eGFR < 30 mL/min halbiert werden. Laut Fachinfo wird die Gabe von Sitagliptin bei einer eGFR < 50 mL/min nicht mehr empfohlen (zumindest in Deutschland).

Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass das „Kalzium-Phosphatprodukt“ in den aktuellen KDIGO-Leitlinien zum CKD-MBD (Chronic kidney disease – mineral and bone disorder) keine Beachtung findet. Die Einzelwerte von Kalzium und Phosphat im Serum sollten beide gemeinsam interpretiert und zur klinischen Behandlungssteuerung genutzt werden. Das mathematische Konstrukt eines Kalziumphosphatproduktes wird explizit nicht mehr empfohlen.

Ob kalziumfreie Phosphatbinder, wie Sevelamer oder Lanthan erst bei Unverträglichkeit oder Unwirksamkeit zum Einsatz kommen sollten, mag ich bezweifeln. Ebenso, dass bei der Gabe von Phosphatbindern ein „Stufenschema“ existiert. Es gibt gute Untersuchungen, die zeigen, dass die Wirksamkeit der Phosphatbinder, ob kalziumhaltig oder kalziumfrei, ähnlich sind. Aluminiumfreie Phosphatbinder sollten leitliniengerecht tatsächlich nur zeitlich befristet verabreicht werden. Warum Lanthan zeitlich befristet verabreicht werden soll, ergibt sich aus den aktuellen wissenschaftlichen Daten und den vorliegenden Leitlinien nicht.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0113b

Dr. med. Fedai Özcan

Klinikum Dortmund gGmbH

Beurhausstraße 40

44137 Dortmund

E-Mail: Fedai.Oezcan@klinikumdo.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Hartmann B, Czock D, Keller F: Drug therapy in patients with
chronic renal failure. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 647–56. VOLLTEXT
1.Hartmann B, Czock D, Keller F: Drug therapy in patients with
chronic renal failure. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 647–56. VOLLTEXT

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