ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2011Problematik empirischer Formeln
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Die häufige Verwendung der MDRD-Formel zur Schätzung der GFR darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine empirische Formel handelt. Man erkennt das bereits am Versagen der Maßeinheitenrechnung: Die Maßeinheiten der rechten Seite ergeben nicht die Maßeinheit der GFR (mL/min/1,73 m2).

Die MDRD-Formel (in all ihren Varianten) ist das Ergebnis einer Schätzung (Regressionsanalyse) der 125I-Iothalamat-Clearance mit Hilfe der Serum-Kreatininkonzentration und anderer Patientendaten (1). Setzt man die Daten eines Patienten ein, ergibt sich jedoch nicht seine individuelle GFR, sondern der GFR-Mittelwert der untersuchten Kohorte an der Stelle, die den Patientendaten entspricht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Mittelwert mit der individuellen GFR übereinstimmt, ist null. Nur innerhalb eines Konfidenzintervalls wird die individuelle GFR mit bestimmter Wahrscheinlichkeit erfasst. Insofern ist es nicht korrekt, ohne Konfidenzintervall mit einer empirischen Formel zu rechnen.

Zwar wird das Problem abgeschwächt, wenn die geschätzte GFR nicht an und für sich, sondern zur Bestimmung eines CKD-Stadiums verwendet wird. An den Stadiengrenzen besteht es jedoch fort. Überdies haben die Autoren in Tabelle 1 den CKD-Stadien GFR-Werte mit der Maßeinheit mL/min und nicht mL/min/1,73 m2 zugeordnet, wodurch die Beziehung zur MDRD-Formel missverständlich wird (2).

Problematisch ist ferner die Umrechnung des mit der MDRD-Formel erhaltenen GFR-Wertes auf die individuelle Körperoberfläche mit Hilfe der ebenfalls empirischen Mosteller-Formel (3). Ein Konfidenzintervall hat Mosteller nicht angegeben; vermutlich ist es erheblich. Bei der Umrechnung pflanzen sich die Konfidenzintervalle beider Formeln in das Endergebnis fort und erhöhen die Unsicherheit. Zur Ermittlung der absoluten GFR scheint mir ein Clearance-Verfahren besser geeignet zu sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0114a

Dr. med. Helmut Nocke

Institut für Physiologie

Otto-von-Guericke-Universität

Leipziger Straße 44

39120 Magdeburg

E-Mail: helmut.nocke@med.ovgu.de


Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Levey AS, Bosch JP, Lewis JB, Green T, Rogers N, Roth D: A more
accurate method to estimate glomerular filtration rate from serum creatinine: a new prediction equation. Ann Intern Med 1999; 130: 461–70. MEDLINE
2.
Hartmann B, Czock D, Keller F: Drug therapy in patients with chronic renal failure. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 647–56. VOLLTEXT
3.
Mosteller RD: Simplified calculation of body-surface area. N Engl J Med 1987; 317: 1098.MEDLINE
1.Levey AS, Bosch JP, Lewis JB, Green T, Rogers N, Roth D: A more
accurate method to estimate glomerular filtration rate from serum creatinine: a new prediction equation. Ann Intern Med 1999; 130: 461–70. MEDLINE
2.Hartmann B, Czock D, Keller F: Drug therapy in patients with chronic renal failure. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(37): 647–56. VOLLTEXT
3.Mosteller RD: Simplified calculation of body-surface area. N Engl J Med 1987; 317: 1098.MEDLINE

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