ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1997Zusammenarbeit von Eltern und Ärzten: Info-Telefon zum Thema „Plötzlicher Kindstod“

POLITIK: Aktuell

Zusammenarbeit von Eltern und Ärzten: Info-Telefon zum Thema „Plötzlicher Kindstod“

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Vorsorgeprogramme, die bei einem Säugling ein Risiko erkennen lassen, am Plötzlichen Kindstod zu sterben, gibt es nicht. Um so wichtiger sind Präventionsmaßnahmen. Sie zu vermitteln wie auch allgemein über das Thema zu informieren, ist Ziel der "Arbeitsgruppe ,Plötzlicher Säuglingstod' Heidelberg". Die AG wurde Ende letzten Jahres von der Elterninitiative "Gesellschaft zur Erforschung des Plötzlichen Säuglingstodes Baden-Württemberg e.V." (GEPS) und Ärzten der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg gegründet. Seit gut einem halben Jahr bietet die Arbeitsgruppe nun auch eine Beratung am Telefon an.
Wer die Rufnummer 01 80-5 21 32 12 wählt, landet beim Info-Telefon "Plötzlicher Säuglingstod". Am Ende der Leitung sitzen jeweils zwei Ansprechpartner, nämlich ein Arzt aus der Kinderklinik und ein Mitglied der GEPS. Sie antworten auf Fragen zu Ursachen des Plötzlichen Säuglingstodes und zu Risikofaktoren, zu präventiven Möglichkeiten, sind aber auch für Trauergespräche und für Hilfsangebote da.
Allzu viel Zeit bleibt freilich nicht, denn das Info-Telefon ist bislang lediglich donnerstags von 18 bis 19 Uhr besetzt. Kinderarzt Dr. med. Frank Scheffer kennt die Kritik bereits. Längere Sprechzeiten seien im Moment aber nicht möglich, weil die beteiligten Ärzte diese Arbeit neben ihrem normalen Dienst erledigten. Die InfoStunde müsse zudem vor- und nachbereitet werden. "Außerdem haben wir gar nicht gewußt, wieviel Anklang das Info-Telefon finden wird", ergänzt Scheffer.
Und wenn jemand nach dem Tod seines Babys anruft? Wenn Betroffene anriefen, dann gebe man ihnen eine Nummer der Ambulanz und vereinbare einen Termin, um in Ruhe, ohne Zeitdruck miteinander zu sprechen, erläutert Scheffer. Meist melden sich jedoch Eltern, Großeltern und andere an Information interessierte Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet an. Rund 80 Prozent aller Fragen betreffen Risikofaktoren und die Prävention.
Dr. med. Frank Scheffer schätzt an dem Info-Telefon, "daß es keine Einbahnstraße ist: Wir bekommen eine ganze Menge Informationen von außen." Kollegen riefen an und gäben zum Beispiel Anregungen für die Forschung. Von Krankengymnasten sei der Tip gekommen, nicht pauschal vor der Bauchlage zu warnen, da Säuglinge unbedingt auch - unter Aufsicht - auf dem Bauch liegen müssen.
Kritik hat die "AG Plötzlicher Kindstod" wegen der teuren Servicenummer einstecken müssen, unter der man ihr Info-Telefon erreicht. Scheffer verteidigt diese Entscheidung. Immerhin könne man von ganz Deutschland aus zum Ortstarif anrufen. Der Hauptgrund für die Servicenummer ist jedoch, daß niemand die Arbeit am InfoTelefon bezahlt. Die AG ist auf Spenden und Sponsoren angewiesen.
Vielleicht werde es später möglich, eine für Anrufer kostenfreie Nummer zu schalten, hofft Scheffer. Seine zweite Idee für die Zukunft: Möglicherweise könne man sich mit anderen Kinderkliniken vernetzen und die Beratung im Wechsel anbieten. (Kontaktadresse: AG "Plötzlicher Säuglingstod" Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 153, 69120 Heidelberg, Telefon 0 62 21/56 84 85, Fax 0 62 21/56 55 29) Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote