ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2011Multifunktionale Operationssäle: Einer für alle

TECHNIK

Multifunktionale Operationssäle: Einer für alle

Kempe, Lisa

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Bei der Konzeption moderner Operationssäle wird zunehmend Wert auf eine hohe Flexibilität gelegt: Möglichst unabhängig vom Fachgebiet sowie minimal-invasive oder offene Chirurgie – der OP soll multifunktional genutzt werden.

Bei der Hybridlösung von Maquet werden kardiochirurgischer OP und Herzkatheterlabor kombiniert. Foto: Maquet
Bei der Hybridlösung von Maquet werden kardiochirurgischer OP und Herzkatheterlabor kombiniert. Foto: Maquet

Der medizintechnologische Fortschritt nimmt vielfach seinen Ausgangspunkt im Operationssaal (OP). Hier werden häufig neue Behandlungs- und Diagnosemethoden eingeführt und etabliert. Die Verfahren werden schonender und kürzer für die Patienten, aber auch exakter und effektiver. Die Motivation für innovative Entwicklungen im OP ist vielseitig: Sie kann zum einen in der Verbesserung von Therapiemöglichkeiten gesucht werden, zum anderen in der Optimierung von Arbeitsabläufen und der Entlastung des OP-Personals. Eine höhere Effizienz bei operativen Eingriffen kann die belasteten Kassen der Kliniken schonen, soll aber auch immer dem Wohl und der Sicherheit der Patienten zugutekommen.

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Zusammenarbeit von Kardiologe und Herzchirurg

Den Trend zur Multifunktionalität verfolgt die Maquet GmbH seit einigen Jahren konsequent mit ihrem Hybrid-OP. „Maquet hat den Hybrid-OP quasi neu definiert. Unser Ziel war es, das Herzkatheterlabor mit seinen Möglichkeiten zur Bildgebung auch für andere Operationen zu nutzen. Durch die Fusion von kardiochirurgischem Operationssaal und vollwertigem Herzkatheterlabor wird die unmittelbare Zusammenarbeit des Kardiologen und Herzchirurgen im Hybrid-OP möglich“, erläutert Klaus Christian, zuständiger Projektmanager bei Maquet, bei der Präsentation des Hybrid-OPs.

In der Surgical Academy in Rastatt hat Maquet eine vollständig ausgestattete Version des interdisziplinären Operationssaals installiert. Ärzte, Klinikverwaltungen und Krankenhausplaner sollen sich hier einen umfassenden Eindruck von den Möglichkeiten der Planung, Umsetzung und Ausstattung aus einer Hand verschaffen. „Unser Ziel ist es, das Raumkonzept und die technische Ausstattung den Arbeitsabläufen im OP optimal anzupassen. Das heißt zum Beispiel, dass bei der Kombination von herzchirurgischem und kardiologischem Arbeitsplatz die Beibehaltung der optimalen Arbeitsbedingungen beider Disziplinen Pflicht ist. So werden die Platzierung des OP-Tisches, der Angiographieanlage und der weiteren Systeme mit dem interdisziplinären OP-Team entsprechend eines optimalen Workflows abgestimmt“, sagt Christian.

Das Herzstück des Hybrid-OPs ist die Kombination aus dem Magnus-OP-Tisch von Maquet und der Angiographieanlage Allura Xper FD 20 von Philips. Durch austauschbare und flexible Module beim OP-Tisch, den OP-Leuchten, Deckenversorgungseinheiten und Wandelementen kann der Hybrid-OP auch durch andere chirurgische Disziplinen fachübergreifend genutzt werden. Philips hat das Flachdetektorsystem speziell für vaskuläre und kardiovaskuläre Eingriffe entwickelt. Im Hybrid-OP wird es an der Decke montiert, so dass es die Anästhesie möglichst wenig behindert. Der Maquet-OP-Tisch ist ein Wechselplattentisch und per Joystick in Kombination mit dem C-Arm steuerbar. Der C-Arm folgt sogar in bestimmten Positionen der Bewegung des OP-Tisches automatisch. Das Röntgengerät muss bei Positionsänderungen des Patienten dadurch nicht neu eingestellt werden. Ein elektronischer Kollisionsschutz verhindert dabei, dass das Gerät dem Patienten zu nahe kommt.

Mehr Sicherheit für die Patienten

Die Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Fachbereiche, in diesem Fall von Kardiologen, Herz-, Gefäß- und Neurochirurgen, soll völlig neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen: Das Spektrum reicht von Eingriffen bei Gefäßverengungen und -prothesen bis hin zu verengten Klappen, die im Hybrid-OP sowohl minimal-invasiv als auch chirurgisch behandelt werden können. Das Angiographiesystem und die Echokardiographie machen eine sofortige postoperative Kontrolle möglich. Ein Beispiel für eine neue Behandlungsmethode, die nun im Hybrid-OP realisierbar wird, ist die Implantation einer biologischen Aortenklappenprothese auf kathetergestützem Weg: Mit speziellen Kathetern wird die Herzklappe in das Herz eingebracht und dort verankert. Eine große Eröffnung des Brustkorbs über eine Durchtrennung des Brustbeins ist demnach nicht mehr erforderlich. Der Zugang zum Herzen erfolgt direkt über die Herzspitze – über einen kleinen Schnitt an der linken Brustkorbseite. Bei dieser Methode arbeiten der Kardiologe, der den Katheter setzt, und der Herzchirurg Hand in Hand.

Über einen Touchscreen lassen sich in dem Hightech-Endoskopie-OP von Olympus die komplett vernetzten medizinischen und nichtmedizinischen Geräte steuern. Foto: Olympus
Über einen Touchscreen lassen sich in dem Hightech-Endoskopie-OP von Olympus die komplett vernetzten medizinischen und nichtmedizinischen Geräte steuern. Foto: Olympus

„Ein wichtiger Vorteil dieser Vorgehensweise liegt in der größeren Sicherheit für den Patienten – bei einem Zwischenfall muss dieser nicht mehr vom Katheterlabor in den sterilen OP gebracht werden. Oft sind beide Räume in den Kliniken weit voneinander entfernt. Im Hybrid-OP können der Thorax- und Bauchraum jederzeit konventionell operiert werden, eine Umlagerung des Risikopatienten wird nicht mehr notwendig“, resümiert Christian. Weitere Vorteile für die Klinken lägen in einer besseren Auslastung des OP-Raums, da in diesem nicht mehr nur Katheteruntersuchungen stattfänden. Das bedeute mehr Wirtschaftlichkeit.

Systemintegration ganz in Blau

Ein völlig anderes Konzept zur Systemintegration im Operationssaal verfolgt Olympus mit dem OP-System Endoalpha für endoskopische Untersuchungsräume und Operationssäle. Schon das Design unterstreicht den Eindruck, dass es sich dabei um einen Hightechoperationssaal handelt. Typisch für das System sind die blauen Glaswände und die individuell steuerbare LED-Lichtgestaltung, die auch in Innenräumen einen realistischen Eindruck von Tageslicht bis hin zum Sonnenuntergang simulieren kann. Dies soll für das OP-Team zu einer angenehmeren Atmosphäre beitragen und ein entspanntes Arbeiten ermöglichen. Darüber hinaus leisten die Glaswände durch eine spezielle Oberflächenbehandlung einen Beitrag zur besseren Hygiene im OP. Auch die Steuerung der Geräte erfolgt über Touchscreens aus Glas, die desinfiziert werden und im sterilen Bereich bedient werden können.

„Medizinische und nichtmedizinische Geräte sind bei Endoalpha komplett vernetzt und steuerbar. Im Fokus stehen aber nicht einzelne Produkte, sondern Systemlösungen und die Prozessoptimierung. Das hilft Zeit zu sparen, den Informationsfluss und die Arbeitsbedingungen zu verbessern sowie gleichzeitig bessere Ergebnisse und mehr Zeit für den Patienten zu gewinnen“, beschreibt Thomas Lütke-Kappenberg, Leiter des Geschäftsbereichs Systemintegration der Olympus Deutschland GmbH, das Konzept. Es beinhaltet die Module Steuerung, Videomanagement, Dokumentation und Arbeitsplatzgestaltung, die so aufeinander abgestimmt werden, dass Arbeitsabläufe, Informationsmanagement und Ergonomie im OP verbessert werden können. Bei der OP-Technik setzt das Unternehmen auf die Vernetzung von den rein medizinischen Geräten mit nichtmedizinischen Geräten, die per Endoalpha Control über einen zentralen Touchscreen gesteuert werden. Damit findet der Operateur beispielsweise einen Anschluss für seinen iPod, der beispielsweise das individuelle Lichtkonzept gespeichert hat, ebenso wie die Lieblingsmusik.

„Das OP-Personal soll sich wohlfühlen“, sagt Lütke-Kappenberg. „Aber in einem modernen OP-Saal sollen Design und Ergonomie auch dazu beitragen, dass der Prozessablauf vereinfacht wird. Deshalb setzt Olympus vor die Entwicklung und Planung eines OPs eine intensive Prozessanalyse für das jeweilige Krankenhaus, in dem Endoalpha eingerichtet werden soll. Daraus entsteht ein Prozessmodell, das den Weg des Patienten vom Bett bis in den OP beschreibt und mit dem sich die Abläufe simulieren lassen. Solche Prozessanalysen haben beispielsweise schon offenbart, dass in einem Krankenhaus von zwölf geplanten OPs am Ende nur neun notwendig waren.“

Dr. rer. nat. Lisa Kempe

Links zu den Lösungen

  • www.maquet.com (Hybrid-OPs – Angiographie)
  • www.healthcare.philips.com/de_de/products/index.wpd (Rubriken: Produkte & Lösungen/Hybrid-OP)
  • www.olympus-europa.com/site/endoalpha/de
  • www.olympus-owi.com/front_content.php?idcat=14

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