ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2011Akuter Migräneanfall: Früher Einsatz von Triptanen

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Akuter Migräneanfall: Früher Einsatz von Triptanen

Weiß, Maria

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Wenn Migränepatienten beim ersten leichten Kopfschmerz ein Triptan einnehmen, erhöht sich die Chance, den Anfall rasch zu kontrollieren. Allerdings sollte die Gefahr des Medikamentenübergebrauchs bedacht werden.

Dass Triptane noch besser wirken, wenn sie möglichst früh bei der Migräneattacke eingenommen werden, ist in mehreren Studien gezeigt worden. Eine ist die TEMPO-Studie (The Triptans: Efficacy in Migraine after Precocious Oriented), wie Prof. Dr. Michel Lantéri-Minet (Pôle Neurosciences Cliniques, Nizza) berichtete. Um möglichst realitätsnahe Bedingungen zu schaffen, wurde es hier in der Phase I den Patienten überlassen, ob sie früh (innerhalb einer Stunde nach Schmerzbeginn) oder erst später zum Triptan (Rizatriptan, Maxalt®) greifen.

In einem zweiten Studienteil wurden die Patienten mit verzögertem Therapiebeginn dann auf eine frühere Einnahme umgestellt. Untersucht wurden jeweils drei Attacken. Unter der frühen Einnahme berichteten deutlich mehr Patienten über eine Schmerzfreiheit nach zwei Stunden bei zwei von drei Attacken (38,1 versus 53,7 Prozent, Odds Ratio 0,432; 95-%-Konfidenzintervall 0,309–0,605).

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Noch bessere Ergebnisse ließen sich erzielen, wenn die Patienten entsprechend geschult würden, sagte Lantéri-Minet in Berlin. Dabei sollten die Patienten zu frühen Symptomen der Migräneattacken befragt und aufgeklärt werden, um sicherzustellen, dass Symptome richtig gedeutet würden. In einer Studie mit Rizatriptan konnte allein durch die Schulung noch ein deutlicher Anstieg bei der Schmerz- und Migränesymptomfreiheit nach zwei Stunden erzielt werden (Poster P01.124, Annual Meeting American Academy of Neurology, 2006).

Der frühe Einsatz berge aber auch die Gefahr des Übergebrauchs von Triptanen, warnte Lantéri-Minet. Besonders gefährdet seien Migränepatienten mit begleitenden Angststörungen, Abhängigkeitsstörungen und zusätzlichem Spannungskopfschmerz. „Hier kann es für den Patienten schwierig sein, den Unterschied zum Migräneanfall zu erkennen.“ Ein deutlicher Anstieg der Behandlungstage sollte immer als wichtiges Alarmsymptom gewertet werden.

Maria Weiß

Migraine Scientific Symposium in Berlin, unterstützt von MSD

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