ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2011Schach: Heiliger Rochus, hilf!

SCHLUSSPUNKT

Schach: Heiliger Rochus, hilf!

Dtsch Arztebl 2011; 108(8): [108]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Neuigkeit am Schachstand von Monika und Manfred Mädler beim Ärzteschachturnier: Das Buch „Damen gewinnen“ geht weg wie warme Semmeln. Vielleicht beflügelt durch die glänzende Vorstellung von Dr. med. Bergit Brendel und Dr. med. Andrea Huppertz, die den Herren der Schöpfung „Läufer, Springer und andere Bestien“ (Goethe im „Götz von Berlichingen“) um die Ohren hauen. Das trägt zur guten Laune bei – ich meine natürlich den gewaltigen Buchverkauf – und tröstet darüber hinweg, dass „Der Arzt im Schachspiel“ nach kurzzeitiger Blüte wieder sein gewohntes Ladenhüterdasein fristet. Nichts scheint Schach spielende Ärzte weniger zu interessieren als diese mittelalterliche Schrift.

Das war bei meinem spanischen Freund Ricardo Calvo, Arzt und Schachgeschichtsforscher, anders, der mir vom heiligen Rochus erzählte. Dieser heilte nicht nur Pestkranke und wurde, als er selbst erkrankte, wundersam geheilt, sondern ist neben der heiligen Teresa von Avila auch Schutzpatron der spanischen Schachspieler. Möglicherweise wegen der etymologischen Verwandtschaft mit dem Schachturm (im Arabischen „rukh“, was sich noch im englischen „rook“ wiederfindet). Ein Anflehen dieses Heiligen in bedrängter Lage, wenn die gegnerische Streitmacht, schlimmstenfalls gar angeführt von einer streitlustigen Dame, über die eigene Königsstellung hereinzubrechen droht, soll schon geholfen haben. Auf jeden Fall erscheint dies ratsamer als die Zuflucht zu fragwürdigen Talismännern oder ein Stoßgebet zur wankelmütigen Schachgöttin Caissa – schließlich verlor diese einst Herz und Verstand an den Kriegsgott Mars.

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Sie sollten sich auch nicht von den ehemaligen Weltmeistern Karpow und Kasparow beirren lassen, die mir beide übereinstimmend beteuerten, nie auf die Hilfe irgendwelcher höherer Mächte gesetzt zu haben: Immer wollten sie, zumal im rationalen Schachspiel, alles aus eigener Kraft schaffen. Doch natürlich wissen wir Ärzte es besser – keine Heilung ohne Wunderglauben! Schließlich wurde schon Asklepios auf der Akropolis ohne medizinische Gerätschaften dargestellt und nicht als Krankheiten heilender, sondern als Wunder wirkender Gott verehrt.

Nun aber zur Kombination von Dr. med. Nubar Manuelyan als Weißer am Zug gegen Dr. med. Alexander Krekker, bei der sein „rochus“ alias „rukh“ an vorderer Front eine gewaltige „aufbrechende“ Kraft hatte. Wie kam’s?

Und vielleicht findet ja diese Kombination Eingang in die Praxis eines Kollegen, der die Schachspalten vergrößert als Poster unter dem Motto „Schach gegen Schmerz“ aufhängt. Möge es helfen und nicht seinerseits Schmerzen verursachen!

Lösung:

Durch das Opfer von Turm gegen Springer 1. Txh5! wurde die schwarze Königsstellung zerschlagen. Nach 1. . . . gxh5 2. Sg5 drohte schon 3. Dxh7+ nebst Matt, wogegen auch 2. . . . f5 nichts half, weil nun nach 3. Dc3 die undeckbare Mattdrohung auf h8 entscheidet (3. . . . e5 4.dxe6 en passant).

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