Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Herr Lindemann weist in seiner Zuschrift zu Recht darauf hin, dass wir zurückhaltende Angaben zu den gravierenden Risiken des Boxens gemacht haben und dass in anderen Arbeiten durchaus über höhere Schädigungsraten berichtet wurde. Die Reviewer des Manuskripts haben uns zu einer eher konservativen Darstellung angehalten und wir hatten uns auf die relevanten Veröffentlichungen der letzten zehn Jahre beschränkt. Seit Annahme unseres Beitrags sind einige neue Studien erschienen, die auf weitere Risiken hinweisen:

  • Eine Absenkung und Verzögerung des zerebralen Aufmerksamkeitspotenzials (P300) (1)
  • sensorische Defizite (2)
  • ausgedehnte funktionelle Hirnveränderungen mit einem Hypometabolismus im Bereich von Parietallappen, Gyrus cinguli posterior, Frontalkortex und Cerebellum (die drei erstgenannten Strukturen sind auch bei der Alzheimer Krankheit funktionell und neuropathologisch betroffen) (3)
  • eine Erhöhung des Parkinson-Risikos mit der Zahl der Kämpfe (Studie an Thai-Boxern) (4).

Löllgen und Prange sprechen nochmals ethische Probleme an, die sich aus dem Wissen um die grundsätzlich erhöhten Risiken (gezielte Hirnverletzung), um besondere Risikofaktoren ( APOE ε4 sowie die Destruktionsmarker NSE und S100B) und potenzielle Schutzmaßnahmen ergeben (wie etwa Genotypisierung, Kopfschutz, Kampfverbot etc.). Grundsätzlich stellen sich die Fragen:

  • Mit welcher Berechtigung vorsätzliche Körperverletzung von Strafe frei gestellt und als sportlich vorbildhaft präsentiert werden darf
  • ob öffentlich-rechtliche Sendeanstalten mit Gewalt-verherrlichenden Darbietungen ihrem Auftrag gerecht werden
  • ob die Kosten von Gebührenzahlern und der Solidargemeinschaft der Kranken- und Pflegeversicherten getragen werden müssen
  • weshalb Ärzteverbände in der Bundesrepublik zum Boxproblem bisher nicht offiziell Stellung genommen haben.

Die Resonanz auf unseren Beitrag war nicht einhellig positiv. Ein früherer Box-Profi wies zum Beispiel auf die besondere Relevanz der spezifischen Komsorbidität im Profiboxen hin, die wir unberücksichtigt gelassen hatten (Alkohol- und Drogensucht, Folgen der Promiskuität; ZDF.deSport, „Boxen macht Boxern kein Kopfweh“).

DOI: 10.3238/arztebl.2011.0146

Prof. Dr. rer. nat. Christian Haass*

Prof. Dr. med. Bernhard Hemmer

Prof. Dr. med. Bernhard Meyer

Prof. Dr. med. Martin Halle

Technische Universität und
*Deutsches Zentrum Neurodegenerative Erkrankungen, München

Prof. Dr. med. Hans Förstl

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Technische Universität München

Ismaningerstraße 22, 81675 München

E-Mail: hans.foerstl@lrz.tu-muenchen.de

Interessenkonflikt
Prof. Förstl erhielt finanzielle Unterstützung von den Firmen Eisai, General Electric Lundbeck, Pfizer, Merz Janssen, Novartis, AstraZeneca, BMS, GSK,
Lilly, Nutricia, Sanofi Aventis, Schwabe, Servier und anderen.

Prof. Haass, Prof. Hemmer, Prof. Meyer und Prof. Halle erklären, dass kein
Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of
Medical Journal Editors besteht.

1.
Di Russo F, Spinelli D: Sport is not always healthy: executive brain dysfunction in professional boxers. Psychophysiology 2010; 47: 425–34. MEDLINE
2.
Vent J, Koenig J, Hellmich M, et al.: Impact of recurrent head trauma on olfactory function in boxers: a matched pairs analysis. Brain Res 2010; 1320: 1–6. MEDLINE
3.
Provenzano FA, Joran B, Tikofsky RS, et al.: F-18FDG-PET-imaging of chronic traumatic bain injury in boxers: a statistical parametric analysis. Nuclear Med Comm 2010; 31: 952–7. MEDLINE
4.
Lolekha P, Phanthumchinda K, Bhidayasari R: Prevalence and risk factors of Parkinson’s disease in retired Thai traditional boxers. Movement Disorders 2010; 12: 1895–901. MEDLINE
5.
Förstl H, Haass C, Hemmer B, Meyer B, Halle M: Boxing: acute complications and late sequelae, from concussion to dementia. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(47): 835–9. VOLLTEXT
1.Di Russo F, Spinelli D: Sport is not always healthy: executive brain dysfunction in professional boxers. Psychophysiology 2010; 47: 425–34. MEDLINE
2.Vent J, Koenig J, Hellmich M, et al.: Impact of recurrent head trauma on olfactory function in boxers: a matched pairs analysis. Brain Res 2010; 1320: 1–6. MEDLINE
3.Provenzano FA, Joran B, Tikofsky RS, et al.: F-18FDG-PET-imaging of chronic traumatic bain injury in boxers: a statistical parametric analysis. Nuclear Med Comm 2010; 31: 952–7. MEDLINE
4.Lolekha P, Phanthumchinda K, Bhidayasari R: Prevalence and risk factors of Parkinson’s disease in retired Thai traditional boxers. Movement Disorders 2010; 12: 1895–901. MEDLINE
5.Förstl H, Haass C, Hemmer B, Meyer B, Halle M: Boxing: acute complications and late sequelae, from concussion to dementia. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(47): 835–9. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Der klinische Schnappschuss

Stellenangebote