ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2011Metabolisches Syndrom: Risiko für Einbußen kognitiver Funktionen erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metabolisches Syndrom: Risiko für Einbußen kognitiver Funktionen erhöht

Dtsch Arztebl 2011; 108(9): A-455 / B-366 / C-366

Heinzl, Susanne

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In einigen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass verschiedene Komponenten eines metabolischen Syndroms das Risiko für eine Demenz erhöhen. Daher wurde in einer prospektiven Studie über vier Jahre der Frage nachgegangen, ob bei älteren Personen durch ein metabolisches Syndrom das Risiko für die Abnahme kognitiver Funktionen steigt.

Hierzu wurden die Daten der französischen Dreistädtestudie verwendet, einer multizentrischen Kohortenstudie mit Einwohnern der Städte Bordeaux, Dijon und Montpellier, in der Zusammenhänge zwischen Demenz, kognitiven Störungen und vaskulären Faktoren untersucht wurden.

Von 7 087 untersuchten Personen im Alter ab 65 Jahren litten 16 % an einem metabolischen Syndrom. Sie mussten sich zu Studienbeginn und mindestens einmal im Verlauf der nächsten vier Jahre verschiedenen Tests unterziehen, wie der Mini-Mental State Examination (MMSE) zur Untersuchung der kognitiven Funktion, dem Isaacs Set Test (IST) auf verbale Ausdrucksfähigkeit und dem Benton Visual Retention Test (BVRT), mit dem die Merkfähigkeit auf visuell-räumliche Stimuli geprüft werden kann.

Die Studie ergab, dass Personen mit metabolischem Syndrom ein signifikant höheres Risiko für einen Abfall der kognitiven Leistungen gemessen mit dem MMSE (Hazard-Ratio 1,22 [1,08 bis 1,37]; p = 0,001) und mit dem BVRT (HR 1,13 [1,01 bis 1,26]; p = 0,03), aber nicht bei Messung mit dem IST (HR 1,11 [0,95 bis 1,29]; p = 0,18) hatten.

Die einzelnen Komponenten des metabolischen Syndroms wirkten sich unterschiedlich auf das Risiko aus. Hohe Triglyceridspiegel und niedrige HDL-Cholesterol-Werte gingen mit einer Verschlechterung des Gedächtnisses einher, während eine Hypertonie oder ein Diabetes mellitus, nicht jedoch erhöhte Nüchternblutzuckerspiegel, das Risiko für eine Verschlechterung der Merkfähigkeit visuell-räumlicher Stimuli erhöhten. Eine Schwachstelle der Studie ist die Frage, ob die verwendeten Tests das Risiko einer Demenz ausreichend erfassen können. Zudem ist offen, wie lange die betroffenen Personen bereits vor der Studie an einem metabolischen Syndrom litten.

Fazit: Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass bei älteren Personen ein metabolisches Syndrom das Risiko für Einbußen der kognitiven Funktionen erhöht; der Leistungsabfall beginnt offenbar lange vor einer Demenzsymptomatik. Großangelegte Studien müssen nun klären, ob eine adäquate Therapie die Progression kognitiver Störungen verzögern oder verhindern kann.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Raffaitin C et al.: Metabolic syndrome and cognitive decline in French elders. The Three-City Study. Neurology 2011; 76: 518–25.

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