ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1997SSRI Nefazodon: Antidepressivum mit dualer Wirkung

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SSRI Nefazodon: Antidepressivum mit dualer Wirkung

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Das Spektrum der antidepressiven Psychopharmaka hat sich mit der Einführung der zweiten Generation von Antidepressiva, den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), deutlich erweitert. Seit kurzem gibt es die dritte Generation von Antidepressiva: die dual wirkenden SSRI, zu denen das Phenylpiperazin-Derivat Nefazodon (Nefadar®) gehört.
Serotonin spielt dabei eine wichtige Rolle in der Regulation von Stimmung, kognitiven Funktionen und motorischer Aktivität sowie zirkadianen und neuroendokrinen Rhythmen wie Appetit, Schlaf und Sexualverhalten, erklärte Dr. Klaus-Peter Lesch (Würzburg) auf einer Pressekonferenz der Firma Bristol-Myers Squibb in München.
Variation
Die Serotonin-Wiederaufnahme in das präsynaptische Neuron bestimmt den Effekt am postsynaptischen Rezeptor. Wie man heute weiß, ist eine genetisch determinierte Variation in der Funktion des SerotoninTransportes mit den Persönlichkeitsmerkmalen Ängstlichkeit und Depressivität und einem erhöhten Risiko, an einer affektiven Störung zu erkranken, korreliert.
Nefazodon wirkt auf beiden Seiten der Serotonin(5-HT-)Synapse: postsynaptisch blockiert es die 5-HT2-Rezeptoren, präsynaptisch hemmt es die SerotoninWiederaufnahme. Die Langzeitbehandlung mit dem dualen serotonergen Antidepressivum führt zur erwünschten Down-Regulation der 5-HT2-Rezeptoren. Ihre Dichte und Reaktivität nimmt ab. Die noradrenerge Neurotransmission wird von Nefazodon nicht tangiert.
Die deppressionslösende Wirkung der neuen Substanz ist gut dokumentiert. Nach den vorliegenden klinischen Studien besitzt Nefazodon eine den trizyklischen Antidepressiva (beispielsweise Imipramin) und SSRI (wie Fluoxetin und Sertralin) vergleichbare antidepressive Aktivität. Die Wirksamkeit von Nefazodon in der Behandlung der majoren Depression wurde in klinischen Studien mit mehr als 3 500 Patienten belegt. Über 680 depressive Patienten erhielten Nefazodon länger als ein Jahr. In diesen Langzeitstudien erwies sich das Medikament als ebenso wirksam wie Imipramin. Die antidepressive Wirksamkeit von Nefazodon tritt - wie bei allen Antidepressiva - nach zwei bis drei Wochen ein. Häufig registriert man aber unter der Behandlung einen meist bereits in der ersten Woche einsetzenden anxiolytischen Effekt, erläuterte Prof. Eckart Rüther (Göttingen).
Nefazodon provoziert zwar seltener Nebenwirkungen als andere Antidepressiva, aber auch bei seiner Gabe können Übelkeit, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Schwindel, Obstipation und leichte Asthenie auftreten. Die typischen serotonergen Effekte verschwinden in den meisten Fällen nach den ersten Behandlungswochen. Am häufigsten geben die Patienten Übelkeit als unerwünschten Nebeneffekt an.
Ein gravierender unerwünschter Nebeneffekt einer Behandlung mit Psychopharmaka (insbesondere mit SSRI) ist die nicht selten auftretende Beeinträchtigung sexueller Funktionen. Diese Dysfunktionen begründen die schlechte Compliance der Patienten. Das dual-serotonerge Antidepressivum Nefazodon hat dagegen kaum negative Auswirkungen auf die Sexualfunktionen, unterstrich Prof. Konrad Mauerer (Frankfurt). Die Inzidenz sexueller Dysfunktionen bei Männern und Frauen liegt in der Größenordnung der Plazebo-Kontrollen. Damit ist die neue Substanz allen geprüften Vergleichspräparaten wie zum Beispiel Fluoxedin und Sertralin statistisch signifikant überlegen. Siegfried Hoc
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