ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2011Medizinische Fachangestellte: Mehr Geld für Berufsanfänger

POLITIK

Medizinische Fachangestellte: Mehr Geld für Berufsanfänger

Dtsch Arztebl 2011; 108(9): A-440 / B-357 / C-357

Bristrup, Rosemarie

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Wenig Spielraum gab es bei den Tarifverhandlungen. Der Zugewinn in den ersten Arbeitsjahren soll den Beruf insbesondere für Auszubildende attraktiv machen.

Rückwirkend zum 1. Januar 2011 tritt der neue Gehaltstarifvertrag für Medizinische Fachangestellte (MFA) in Kraft. Die Gehälter werden erstmalig nicht linear erhöht, sondern es werden die ersten sechs Berufsjahre überproportional berücksichtigt. Der Verband medizinischer Fachberufe hat – auch aus Sicht der Arbeitgeber – zu Recht auf die im Verhältnis zu vergleichbaren Berufsgruppen und zum Mindestlohn in der Pflege (8,50 Euro/West) niedrigen Stundenlöhne junger MFA hingewiesen (8,53 Euro in der Eingangsstufe). Dies ist den deutlich gestiegenen Qualifikationen und künftigen Aufgaben in der Gesundheitsversorgung nicht mehr angemessen.

Die Tarifgehälter werden nun im ersten bis dritten Berufsjahr in der Tätigkeitsgruppe I um 4,99 Prozent und in der Tätigkeitsgruppe II um 5,02 Prozent erhöht, im vierten bis sechsten Berufsjahr in den Tätigkeitsgruppen I–IV um 2,64 beziehungsweise 2,63 Prozent. In allen weiteren Gehaltsgruppen beträgt die Erhöhung 1,25 Prozent. Die Laufzeit des Tarifvertrags endet am 31. Dezember 2011.

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Die deutlichen Gehaltssteigerungen für die Eingangsgruppen sollen angesichts des drohenden Fachkräftemangels die Attraktivität des Berufs für Schulabgänger und junge Berufstätige erhalten. Trotz des Wegfalls der Ostabschläge ab Januar 2008 und einer Anhebung um ebenfalls fünf Prozent ab Juli 2009 bewegte sich die Höhe der Ausbildungsvergütung im deutschen Vergleich nur noch im unteren Mittelfeld. Damit sind Arztpraxen auf dem Ausbildungsstellenmarkt bei den leistungsfähigen Realschulabsolventen bislang mit anderen Berufsbereichen nicht konkurrenzfähig.

Deshalb wurden auch die Ausbildungsvergütungen mit circa fünf Prozent deutlich erhöht. Sie steigen monatlich um 30 Euro in allen drei Ausbildungsjahren und betragen künftig 561 Euro im ersten, 602 Euro im zweiten und 646 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Das GKV-Finanzierungsgesetz hat den Verteilungsspielraum für Tariferhöhungen deutlich eingeschränkt: Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) wurde auf eine lineare Steigerung in Höhe von 1,25 Prozent begrenzt; die extrabudgetäre Gesamtvergütung (EGV) darf maximal um 0,9 Prozent wachsen. Der extrabudgetäre Anteil macht allerdings nur etwa 25 Prozent des absoluten Honorarvolumens aus. Der Tarifabschluss berücksichtigt dies insoweit, als 20 von 26 Gruppen der Gehaltstabelle entsprechend der MGV-Steigerung um 1,25 Prozent angehoben werden.

Förderung der Betriebsrente

Der Ausbau der Betriebsrente ist der ärztlichen Arbeitgeberseite ein vordringliches Anliegen. Bereits im Jahr 2002 wurde eine eigene Pensionskasse und ein eigenes Altersvorsorgeprodukt (die GesundheitsRente) unter dem Dach der Deutschen Ärzteversicherung implementiert. Die Betriebsrente ist eine attraktive Vergütungskomponente, die zur langfristigen Praxisbindung von Mitarbeiterinnen beiträgt, und sollte von ärztlichen Arbeitgebern noch stärker aktiv angeboten werden. Der neue Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung sieht Erhöhungen des Arbeitgeberzuschusses um einheitlich zehn Euro vor.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Januar 2010 müssen auch Beschäftigungszeiten vor Vollendung des 25. Lebensjahres bei den Kündigungsfristen berücksichtigt werden. Eine entsprechende Anpassung musste im Manteltarifvertrag erfolgen und könnte erhebliche Auswirkung auf viele Arbeitsverhältnisse haben. Ausbildungszeiten sind ebenfalls zu berücksichtigen, wenn sich die Beschäftigung nahtlos an das Ausbildungsverhältnis bei demselben Arbeitgeber anschließt.

Dipl.-Päd. Rosemarie Bristrup
Bundes­ärzte­kammer

Gehaltstarif-, Manteltarifvertrag und Vertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung in den Bekanntgaben der Herausgeber in dieser Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes

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