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Placebos: Mehr als nur Einbildung

Rieser, Sabine

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Placebos sind besser als ihr Ruf. Das legt eine Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) nahe, die nun auch als Buch erschienen ist. „Mit dem Einsatz von Placebos lassen sich erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen von Medikamenten verringern und Kosten im Gesundheitswesen sparen“, sagte Prof. Dr. phil Robert Jütte, Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe des BÄK-Beirats, bei der Vorstellung der Stellungnahme in Berlin. „Placebos wirken stärker und sehr viel komplexer als bisher angenommen. Ihr Einsatz ist von enormer Bedeutung für die ärztliche Praxis“, betonte Prof. Dr. med. Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der BÄK.

Ohne Wirkstoff, aber mit realer Wirkung: Placebos wirken stärker als bisher angenommen.Foto: Fotolia
Ohne Wirkstoff, aber mit realer Wirkung: Placebos wirken stärker als bisher angenommen.
Foto: Fotolia

Der Placeboeffekt ist fast jedem ein Begriff. Viele verwenden ihn als Synonym für Wirkungslosigkeit oder einen nur „eingebildeten“ Nutzen. Damit wird man der Bedeutung von Placebo jedoch nicht gerecht. Jütte stellte klar, dass Studien zufolge beim Placeboeinsatz oft zwar kein Wirkstoff im eigentlichen Sinn verwendet werde, dennoch eine reale Wirkung eintrete. Durch die Anwendung von Placebo würden komplexe Prozesse ausgelöst, die Wirkungen erzeugen oder auch verstärken könnten.

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Die Wissenschaftler weisen in ihrer Stellungnahme darauf hin, dass die Mechanismen des Placeboeffekts bisher nur teilweise geklärt sind. Eine wichtige Erkenntnis der Forschung sei, „dass der Placeboeffekt hirnphysiologisch und anatomisch lokalisierbar ist“. So lege eine Vielzahl von Studien nahe, dass vor allem die Aktivierung der Stirnlappen die Wirkungsweise des Placeboeffekts erklären könne.

Jütte betonte, dass Placebos nicht nur in der klinischen Forschung als Substanz für die Kontrollgruppe eine Rolle spielten. Zahlreiche Studien belegten, dass sie auch in der therapeutischen Praxis eingesetzt würden. So komme eine aktuelle Studie aus der Schweiz zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der Schweizer Hausärzte Placebos einsetze. Dabei griffen 57 Prozent auf sogenannte Pseudoplacebos zurück, also Arzneistoffe mit extrem niedriger Wirkstoffdosis. 17 Prozent verabreichten reine Placebos, sogenannte Zuckerpillen.

Die Publikation „Placebo in der Medizin“ (ISBN 978–3–7691– 3491–9), herausgegeben von der BÄK, kann beim Deutschen Ärzte-Verlag erworben werden. Rie

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