ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1997Prostaglandin-Analogon Latanoprost: Lokal wirkendes Hormon bei Glaukom

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Prostaglandin-Analogon Latanoprost: Lokal wirkendes Hormon bei Glaukom

Vetter, Christine

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LNSLNS Mit dem Prostaglandin-
Analogon Latanoprost gibt es ein neuartiges Wirkprinzip zur Behandlung des Offenwinkelglaukoms. Nach dem Ergebnis klinischer Studien läßt sich der Augeninnendruck durch das neue Präparat um durchschnittlich 35 Prozent senken, und zwar ohne daß, wie bei bisher eingesetzten Wirkstoffen, systemische Nebenwirkungen - insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System - zu erwarten wären, hieß es bei der Einführungspressekonferenz in Köln.
Denn bei Latanoprost (Xalatan®, Phamacia & Up-john) handelt es sich um ein lokal wirkendes Hormon, das mit einer Halbwertszeit von 17 Minuten aus der Blutbahn eliminiert wird, wie Prof. Laszlo Z. Bito (New York) darlegte. Die dort erzielten Konzentrationen liegen unter dem, was vom Körper selbst an Prostaglandinen produziert wird.
Uveoskleraler
Abfluß
Das neue Glaukomtherapeutikum beeinflußt die Tagesrhtyhmik des intraokularen Druckes nicht und weist keine "long-term-drift" auf, die Wirksamkeit läßt bei langfristiger Anwendung also nicht nach. Dr. Michael Diestelhorst (Universität Köln). stellte eine klinische Studie bei 107 mit Timolol vorbehandelten Patienten vor, die entweder Timolol, Latanoprost oder eine Kombination (50 oder 10 mg Latanoprost) beider Wirkstoffe erhielten.
Der Augeninnendruck wurde am besten (6,1 mm Hg) reduziert unter der hochdosierten Kombinationstherapie, gefolgt von einer alleinigen Gabe von Latanoprost (4,9 mm Hg), die derjenigen von Timolol alleine (2,1 mm Hg) überlegen war. Vermittelt wird der Effekt nach Diestelhorst durch die Forcierung des uveoskleralen Abflusses. "Der physiologische Abfluß wird damit verbessert, es wird quasi eine kausale Therapie ermöglicht", erklärte der Ophthalmologe.
Vorteilhaft bewertet er die lange Wirkdauer, die zur Folge hat, daß das Prostaglandin-Analogon nur einmal täglich angewandt werden muß, was am besten abends geschieht. Das ist nach Diestelhorsts Einschätzung für die Patienten angenehm, da der normale Tagesablauf nicht gestört wird.
Gravierende Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet; störend ist in rund 15 Prozent der Fälle lediglich eine Braunfärbung der Iris - ein kosmetisches Phänomen, das auf eine erhöhte Melaninbildung zurückgeht und bevorzugt bei Patienten mit gemischter Augenfarbe (grün-braun oder grau-braun) beobachtet wird. Gesundheitlich ist es nach Diestelhorst nicht bedenklich, doch kann die Farbänderung, welche irreversibel ist, die Compliance beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, den Patienten vor Behandlungsbeginn entsprechend aufzuklären und gut auf Farbänderungen zu achten. Treten diese auf, so muß erwogen werden, ob die Behandlung fortgesetzt wird. Wird der Patient auf ein anderes Präparat umgestellt, weil er die Braunfärbung nicht tolerieren möchte, so ist das Phänomen gestoppt, mit einer weiteren Verdunklung der Iris ist nach Beendigung der Applikation nicht zu rechnen. Christine Vetter
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