ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Wissenschaftliches Fehlverhalten: Freiburger Sportmediziner unter Plagiatverdacht

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Wissenschaftliches Fehlverhalten: Freiburger Sportmediziner unter Plagiatverdacht

Siegmund-Schultze, Nicola

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Institut für Sportmedizin: Nach der Dopingaffäre von 2007 stehen nun Wissenschaftler im Verdacht, abgeschrieben zu haben. Foto: dpa
Institut für Sportmedizin: Nach der Dopingaffäre von 2007 stehen nun Wissenschaftler im Verdacht, abgeschrieben zu haben. Foto: dpa

Am Institut für Sportmedizin der Universität Freiburg sind ab den 90er Jahren bis mindestens 2006 nicht nur Sportler des Teams Telekom und T-Mobile systematisch gedopt worden. Es wird derzeit auch geprüft, ob es wissenschaftliches Fehlverhalten im Sinne von Plagiatismus gegeben hat. Einem Mitglied der Evaluierungskommission Sportmedizin – diese war vom Universitätsklinikum ergänzend zu einer Dopingkommission eingesetzt worden – waren „inhaltliche Überschneidungen zwischen einer Habilitation und einer Dissertation“ aufgefallen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Beide Arbeiten waren Anfang der 80er Jahre entstanden. „Wir möchten keine Namen von Verfassern nennen, um Vorverurteilungen zu vermeiden“, sagte der Leiter der Universitätspressestelle, Rudolf-Werner Dreier, dem Deutschen Ärzteblatt. Er bestätigte aber, dass nach Bekanntwerden des Verdachts der Leiter der Abteilung Sportmedizin, Prof. Dr. med. Hans-Hermann Dickhuth, darum gebeten habe, ohne Bezüge beurlaubt zu werden, um einer Aufklärung nicht im Weg zu stehen. Dem Wunsch habe der Rektor entsprochen.

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Mehrere Zeitungen und Magazine hatten Dickhuth als Verfasser der Habilitationsschrift mit inhaltlichen Überlappungen zu einer Dissertation genannt. Dreier bestätigte nur, dass sich Dickhuth in der Zeit, aus der die Habilitation stammt, als Assistent der Medizinischen Klinik in der Abteilung Sportmedizin bei Prof. Dr. med. Joseph Keul habilitierte. Inzwischen wurden noch bei einer weiteren Promotion inhaltliche Überlappungen gefunden. „Das Dekanat, das mit diesen Vorprüfungen befasst ist, hat nun alle Beteiligten gebeten, sich bis zum 12. März schriftlich zu den Vorwürfen zu äußern“, erläuterte Dreier. Zwei Tage später werde entschieden, ob weiter geprüft werde.

Die Universität Freiburg hat den aktuellen Verdacht selbst öffentlich gemacht. Sie hatte nach Dopingvorwürfen gegenüber mehreren Freiburger Sportmedizinern im Mai 2007 eine Dopingkommission und im Juni 2007 eine Evaluierungskommission eingesetzt. Die Dopingkommission hatte im Mai 2009 ihren Abschlussbericht vorgelegt (DÄ, Heft 21/2009). Keul, der die Abteilung Sportmedizin im Zeitraum der jetzt unter Plagiatverdacht stehenden, wissenschaftlichen Arbeiten geleitet hat, wurde keine aktive Beteiligung an Doping nachgewiesen, aber eine verharmlosende und damit die Anwendung von Dopingmitteln fördernde Grundhaltung bescheinigt. Bei Dickhuth gebe es keine Anhaltspunkte, dass er von Dopingpraktiken seiner Mitarbeiter gewusst habe. nsi

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