ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Telehealth: Standards fehlen
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Auf der CeBIT diskutierten Politiker und Wirtschafts- vertreter über die Zukunft der Telemedizin. Dabei wurde deutlich: Ohne Standards wird es bei Pilotprojekten bleiben.

Die medizinische Versorgung in Europa steht durch den demografischen Wandel, durch steigende Kosten und durch Fachkräftemangel vor großen Herausforderung“, stellte John Dalli, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, bei der Eröffnung der Telehealth 2011 auf der CeBIT in Hannover fest. „Telemedizin kann wesentlich dazu beitragen, diesen Problemen zu begegnen.“ Dalli verwies auf die vielen erfolgreichen E-Health-Projekte, die zeigen, dass Telemedizin die Diagnose und Behandlung von Patienten verbessern kann. Ein Beispiel ist das Programm „Partnership for the heart“, in dem Patienten mit Herzinsuffizienz über ein Telemonitoring weitgehend zu Hause betreut und überwacht werden. „Solche Anwendungen helfen den Patienten, den Ärzten und der Ökonomie“, betonte der EU-Kommissar. Jedoch werde zu wenig in die Entwicklung neuer Versorgungsstrukturen und -konzepte investiert, um E-Health effizient zu nutzen. Die Politik muss nun Rahmenbedingungen schaffen, in denen E-Health florieren kann“, erklärte Dalli. Neue Gesetze ermöglichen es Patienten, in jedem europäischen Land zulasten seiner Versicherung behandelt zu werden – auch telemedizinisch. Der EU-Kommissar hofft, dass dies länderübergreifende Kooperationen fördert.

Schon heute konsultieren Kliniken in Schweden, die keine Radiologen mehr finden konnten, über Videokonferenzen spanische Kollegen. Das größte Problem bei solchen Kooperationen seien fehlende IT-Standards. „Telemedizin kann wegen der Inkompatibilität der Software und der Verwaltungen nicht über Landesgrenzen hinweg kommunizieren – zum Teil nicht mal zwischen verschiedenen Regionen eines Landes. Wir müssen diese Lücke schließen“, betonte Dalli.

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Verglichen mit industriellen Anwendungen hinkten medizinische IT-Anwendungen gut zehn Jahre hinterher, sagte Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer, Präsident des IT-Verbands BITKOM. „Der Markt ist noch sehr zersplittert“, erklärte er. So fehlen noch Standards in der Telemedizin, was eine flächendeckende Umsetzung behindere. „In anderen Bereichen haben wir eine Konzentration auf wenige große Anbieter. Das sorgt für Standards, die in der Medizin-IT noch fehlen.“

Keine rechtlichen Hürden

Auch Stefan Kapferer, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, bemängelte die uneinheitlichen Strukturen und warnte vor Insellösungen. „E-Health wird wegen seines Rationalisierungspotenzials immer wichtiger werden“, betonte Kapferer, „aber auch, um die Versorgung in die Fläche zu bringen.“ Telemedizin müsse den Sprung in die Regelversorgung schaffen. Dass dies bisher nicht passiert sei, liege nicht an rechtlichen Hürden, sondern daran, dass es oft noch an der Abstimmung der Systeme hapere. Mit dem Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) seien jetzt die Voraussetzungen für flächendeckende Lösungen geschaffen. Bis Ende 2012 soll die eGK an alle Versicherten verteilt sein, versprach Thomas Ballast, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Ersatzkassen. Ohne die Mehrwertdienste wie die elektronische Fallakte, sei die eGK jedoch nur eine Versichertenkarte mit Lichtbild, meinte Ballast.

Dr. rer. nat. Marc Meißner

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