ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Globale Gesundheit: Modemedizin für Afrika
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. . . Global Fund und große Geber wollen helfen, aber sie wollen auch etwas haben für ihr Geld, Anerkennung, Gut-Mann-Reputation, Lob. Im besten Fall auch klinischen Erfolg des eingesetzten Geldes. Und was klingt besser als der Satz „Unsere Dollars haben Tausende von Leben (am besten Kinderleben) gerettet“. Das rührt ans Herz. Dass gleichzeitig Zehntausende an schmutzigem Wasser oder der schlimmsten aller Erkrankungen, dem Hunger, starben, verschweigt man diskret. Die großen Geber konzentrieren sich auf wenige Krankheiten, die schnell zur Mode werden, zur Medizin-Schickeria: Aids fasziniert wegen seiner Sexualität puritanisch verklemmte (US-)Gemüter, Malaria als flächenwirksamer Killer und die eklige Tuberkulose würde man gerne vernachlässigen wie früher, aber sie tötet nun mal die Hälfte der Aids-kranken. Und die Non-Government-Organizations, die Entwicklungshilfegesellschaften, die viel Geld großer Geber durchschleusen (und ihren Teil absorbieren), machen den Trend zur Modemedizin in Afrika mit und ignorieren ihrerseits die anderen Notwendigkeiten. Mit Kinderbildern weckt man Gefühle und öffnet Geldbeutel. Können Sie sich das Gleiche mit einem zerstörten Gebiss vorstellen? Mit dem eiternden Fuß eines Diabetikers? Kennen Sie ein Programm für psychisch Kranke in Afrika?

Nein, die übermäßige Konzentration auf wenige Modekrankheiten bindet Ressourcen, die eine bessere Breitenwirkung haben könnten. Was fehlt, sind Gesundheitsstrukturen und zuallererst Bildungsstrukturen. Mit guter Bildung wäre die Hälfte aller Erkrankungen Afrikas im Griff. Gesundheit fängt im Kopf an – dass das schwierig ist, sieht man bei uns. Was die Healthstruktur Afrikas braucht, ist Breitenwirkung und Spezialistentum: Ausgebildetes (und nicht nach Europa ausgewandertes) Personal, funktionierende und lokal reparaturfähige Strukturen und eine funktionierende Logistik ohne Engpässe und vertikale Programme wie Aids, Malaria, Lepra, Psychiatrie und Tuberkulose. Die Regel ist: Je häufiger, desto breiter und basisnäher, und je seltener eine Erkrankung ist, desto vertikaler muss die Arbeit sein. So wie hier die vielen Grippedoktoren und die wenigen Herzzentren. Beides! Eigentlich ist das alles ganz einfach.

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Dr. Wolfgang Hippke, 80686 München

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