ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Schlafstörungen im Alter: Kurze Verhaltenstherapie bewährt sich in der Praxis

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schlafstörungen im Alter: Kurze Verhaltenstherapie bewährt sich in der Praxis

Heinzl, Susanne

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Zwischen 15 und 35 % der älteren Menschen leiden an Schlafstörungen. Eine kognitive Verhaltenstherapie ist zwar wirksam, hat sich aber wegen des hohen personellen und zeitlichen Aufwands noch nicht durchgesetzt. Deshalb wurde unter Praxisbedingungen die Effektivität einer abgekürzten Verhaltenstherapie bei älteren Patienten untersucht.

79 chronisch Schlafgestörte (Durchschnittsalter 71,1 Jahre) wurden randomisiert. Eine Gruppe (n = 39) erhielt eine verkürzte kognitive Verhaltenstherapie: Eine Schwester gab vier individualisierte Verhaltensanweisungen, zwei persönlich und zwei telefonisch. Die zweite Gruppe (n = 40) wurde schriftlich informiert. „Das Vorgehen hat Vorteile“, meint Prof. Dr. med. Winfried Randerath (Solingen): Das Kurzprogramm sei gerade bei älteren Menschen besser umsetzbar, sie hätten weniger Termine. Inhaltliche Schwerpunkte waren zirkadiane Mechanismen der Schlafregulation und folgende Empfehlungen:

  • Verringerung der Zeit im Bett
  • Unabhängig von der Schlafdauer jeden Tag zur gleichen Zeit aufstehen
  • nur müde zu Bett gehen
  • nur zum Schlafen im Bett bleiben

Alle Patienten protokollierten ihr Schlafverhalten und beantworteten Fragebogen zu Schlaf und Gesundheit. Sie wurden vor und 4 Wochen nach Beginn der Behandlung aktigraphisch und polysomnographisch untersucht. Nach vier Wochen zeigten 67 % der mit Verhaltenstherapie behandelten Personen ein Ansprechen, während es in der Vergleichsgruppe nur 25 % waren. 55 % der Personen in der Verumgruppe hatten keine Schlafstörungen mehr, in der Vergleichsgruppe waren es 13 %. Hieraus ergibt sich eine absolute Risikoreduktion von 42 % und eine number needed to treat von 2,4. Auch Tagebücher und Berichte der Patienten dokumentierten besseren Schlaf (> 6 Monate), ebenso die aktigraphischen, jedoch nicht die polysomnographischen Analysen.

Fazit: Mit einem strukturierten Trainingsprogramm lässt sich bei älteren Menschen mit chronischen Schlafstörungen die Symptomatik verbessern. Den Autoren zufolge fiel bei der Rekrutierung für die Studie eine hohe Zahl unbehandelter, schlafbezogener Erkrankungen wie Atemstörungen auf, die eruiert werden sollten. Dr. rer. nat Susanne Heinzl

Buysse DJ et al.: Efficacy of brief behavioral treatment for chronic insomnia in older adults. Arch Intern Med. 2011; vorab online doi:10.1001/archinternmed.2010.535.

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