ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Infektionen: Völliges Versagen der Gesundheitspolitik
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. . . Ich habe bereits 1958 (!) bis 1962 im Auftrag des damaligen chirurgischen Ordinarius, Prof. Fritz Linder, in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut, Berlin (Prof. Heicken), grundlegende Untersuchungen über klinische Hygiene mit teilweise erschütternden Ergebnissen durchgeführt. Damals ging es um Wundinfektionen mit Staphylokokken und deren Ursachen in der Klinik und der beginnenden Resistenz gegen Antibiotika. Als Quelle konnte ich massive Mängel bei der Händedesinfektion, bei den Gesichtsmasken, „Sterilisatoren“ (Heißluft) und Verunreinigungen in Operationssälen (Luftkeimbestimmungen etc.) nachweisen. Schnell und stillschweigend wurden diese Mängel nach diversen Veröffentlichungen (Literatur auf Anfrage) bundesweit behoben.

Wir fanden damals schon vermehrte Wundinfektionen durch zunehmend antibiotikaresistente Staphylokokkenstämme. Keimträger wurden ebenfalls so wie die isolierten Stämme über Jahre beobachtet. Auf die künftigen Gefahren durch Zunahme antibiotikaresistenter Stämme wurde damals schon hingewiesen. Vieles ist inzwischen besser geworden, aber das Bewusstsein eines bevorstehenden Rückfalls in mittelalterliche Szenarien durch eine explosive Epidemie mit nicht mehr beherrschbaren Infektionen ist in der Ärzteschaft mehr als unterentwickelt. Dies ist nicht eine statistische Spielerei der Mikrobiologen, das ist eine mit Sicherheit eintretende Katastrophe.

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Leider wurde nur wenig in der Klinik und kaum etwas in der Praxis zur Prophylaxe erreicht. Als Beispiel mag gelten, dass noch heute bei Virusinfekten Antibiotika verordnet werden. Völlig unbefriedigend ist aber, dass erst jetzt, aufgeschreckt durch unsauberes Operationsbesteck in Fulda etc., ein Eindruck erweckt wird, als ob sich die Politik zeitgleich entschlossen habe, Maßnahmen zur Bekämpfung dieser unhaltbaren Zustände zu ergreifen . . .

Legt man nun den initialen Diskussionsbeginn zum Hospitalismus in die 50er Jahre, so kann man das völlige Versagen der Gesundheitspolitik nicht deutlicher dokumentieren. Man hat einfach die Probleme nicht zur Kenntnis genommen – und das nicht nur in Sachen Hospitalismus. Die Politik, das sind die verantwortlichen Politiker . . .

Prof. Dr. Herbert Göpel, 14050 Berlin

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