ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Unterwegs in der Walachei: Endloses Land voller Kultur

KULTUR

Unterwegs in der Walachei: Endloses Land voller Kultur

Nolte-Schuster, Birgit

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Jahrhundertealte Klosteranlagen und Kirchen, aber auch moderne Werke von Künstlern wie Constantin Brancusi – eine Kulturreise im südlichen Rumänien

Rumäniens berühmtes Gebäude: Die Kathedrale von Curtea de Argeş stammt aus dem 16. Jahrhundert. Foto: Birgit Nolte-Schuster
Rumäniens berühmtes Gebäude: Die Kathedrale von Curtea de Argeş stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Foto: Birgit Nolte-Schuster

Keine Häuser, keine Bäume, nur endloses Land – eine Fahrt durch die Walachei lässt erahnen, warum diese Region Rumäniens zum Synonym für Verlassenheit und Unwirtlichkeit wurde. Dabei hat die fruchtbare Tiefebene zwischen den Donauniederungen und den südlichen Ausläufern der Karpaten mehr zu bieten als Landwirtschaft und Erdölfelder. Jahrhundertealte Klosteranlagen und Kirchen zeugen von der kulturellen Blüte im vormaligen Fürstentum Walachei.

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Kunstsinniger Fürst

Das Kloster Horezu gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Etwa 200 Kilometer nordwestlich von Bukarest erhebt sich die imposante Klosteranlage auf einer Anhöhe der Südkarpaten. Ihr Ursprung datiert im Jahr 1690, und das bauliche Ensemble mit seinen spiralförmig gedrehten Säulen unter weiten Holzdächern, den üppigen Fassadenornamenten und den kombinierten Rund- und Spitzbogenfenstern gilt als herausragendes Beispiel für die rumänische Renaissance, den Brâncoveanu-Stil. Dieser Baustil mit den charakteristischen italienisch-venezianisch-orientalischen Gestaltungselementen verdankt seinen Namen dem walachischen Fürsten Constantin Brâncoveanu. Der kunstsinnige Fürst, der in den 26 Jahren seiner Regentschaft bis zu seinem gewaltsamen Tod 1714 das kulturelle Leben der Walachei maßgeblich beeinflusste, versuchte, durch politisches Taktieren und Tributzahlungen die Autonomie seines Landes gegen das vordringende osmanische Reich zu bewahren.

Unweit von Horezu nahe Costeşti liegt das Kloster Bristrita, das nach einem Erdbeben 1835 in seiner heutigen Form wiederaufgebaut wurde. Die ursprüngliche Klosteranlage geht auf das 15. Jahrhundert zurück und die seit dieser Zeit dort aufbewahrte Reliquie des Heiligen Grigore Decapolitul ist bis heute Anziehungspunkt für Wallfahrten. Zwei Fahrtstunden entfernt bei Cǎlimǎneşti lohnt der Besuch des Klosters Cozia, einer der ältesten Klosteranlagen in der Walachei. Die im 14. Jahrhundert von Fürst Mircea cel Bǎtrǎn errichtete Anlage ist insbesondere wegen der reichen Freskenausstattung sehenswert. Ihre Lage oberhalb des Flusses Olt, der hier in einem tiefen Tal die Südkarpaten durchschneidet und an dessen Ufer die einzige Passstraße zwischen der Walachei und Siebenbürgen verläuft, machte sie in vormaliger Zeit zu einem bedeutsamen Stützpunkt an dieser wichtigen Handelsroute.

Herausragende Zeugnisse einer modernen künstlerischen Umsetzung der bildhauerischen Traditionen in Rumänien sind in Târgu Jiu zu besichtigen. Der rumänische Künstler Constantin Brancusi schuf hier 1937/38 das dreiteilige Skulpturenensemble „Tisch des Schweigens“, „Tor des Kusses“ und die „Unendliche Säule“ als Mahnmal für den Ersten Weltkrieg. Brancusi, der 1904 nach dem Besuch der Kunstakademie in Bukarest nach Paris ging, zählte dort zum Künstlerkreis um Auguste Rodin und hat ebenso wie dieser die Bildhauerei des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt. Weitere Arbeiten von Brancusi sind im Kunstmuseum in Craiova ausgestellt.

Königliche Ruhestätte

Ein weiterer Höhepunkt auf der Kulturreise durch die Walachei ist sicherlich Curtea de Argeş. Im 14. Jahrhundert gründete Fürst Radu Negru an dieser Stelle den ersten Königshof (Curtea = Hof) der Walachei, und die Überreste dieser mittelalterlichen Anlage vermitteln noch heute einen guten Eindruck von ihrer vormaligen Größe. Nicht weit entfernt steht die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kathedrale von Curtea de Argeş. Das im byzantinischen Stil mit maurischen Arabesken erbaute Mausoleum ist heute die Ruhestätte von acht Mitgliedern des rumänischen Königshauses, darunter auch Elisabeth zu Wied, die von 1881 bis 1914 Königin von Rumänien war.

Dr. Birgit Nolte-Schuster

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