ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Wie Stammzellen Krebserkrankungen beeinflussen

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Wie Stammzellen Krebserkrankungen beeinflussen

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Die Fusion von Stammzellen und Tumorzellen scheint maßgeblich den Verlauf von Krebserkrankungen zu beeinflussen, wie biowissenschaftliche Untersuchungen an der Universität Witten/Herdecke zeigen. Tumorgewebe ähnelt chronisch entzündetem Gewebe, so dass Immunzellen sowie blutbildende Stammzellen aus dem Knochenmark aktiviert werden. „Die Stammzellen werden angelockt, da sie eine Art Reparaturkolonne im Körper darstellen, die für die Neubildung von Gewebe zuständig ist. Dabei stellt die Zellfusion eine Möglichkeit dar, wie Stammzellen zerstörtes Gewebe regenerieren“, erklärt Prof. Dr. Thomas Dittmar.

Das Bedeutsame an der Beobachtung: Aus der Verbindung von Stammzellen und Tumorzellen entstehen „Hybridzellen“, die im Vergleich zu den Elternzellen neue, veränderte Eigenschaften aufweisen – zum Beispiel resistent gegen gängige Chemotherapeutika sind. „Außerdem sprechen sie auf Stoffe an, die mit der Metastasierung von Brustkrebszellen in die Lymphknoten im Zusammenhang stehen“, berichtet Dittmar in einer Presseerklärung.

Somit könnte die Fusion zwischen Stammzellen und Tumorzellen daher maßgeblich zum Verlauf der Krebserkrankung beitragen. Hybridzellen könnten stärker metastasieren, das heißt schneller und mehr Tochtergeschwülste bilden als normale Tumorzellen. Darüber hinaus wären Hybridzellen durch die erhöhte Resistenz gegenüber Zytostatika in der Lage, die Chemotherapie zu überleben und nachfolgend die Bildung von Rezidiven zu verursachen.

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„Es ist ebenfalls denkbar, dass der Prozess der Fusion zwischen Tumorzellen und Stammzellen gerade während der Krebstherapie zum Tragen kommt“, meint der Wittener Forscher. Bedingt durch Chemotherapie oder Bestrahlung sterben Tumorzellen ab, wodurch es zu einer verstärkten Entzündungsreaktion im Tumorgewebe kommt. Diese Entzündung lockt verstärkt blutbildende Stammzellen an und erhöht damit möglicherweise die Anzahl von Zellfusionen zwischen Stammzellen und Tumorzellen.

„Letztlich stellen die Chemotherapie oder die Bestrahlung einen Selektionsprozess für Tumorzellen dar. Durch Fusion mit Stammzellen oder anderen Zellen könnten entstehende Hybridzellen einen Überlebensvorteil besitzen, so dass sie die Krebsbehandlung überleben“, vermutet Dittmar. „Ein derartiger Ansatz könnte auch erklären, warum Rezidive mitunter unempfindlicher gegenüber der ursprünglichen Chemotherapie/Bestrahlung geworden sind und sich bösartiger als der Ursprungstumor verhalten.“ EB

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