ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Von schräg unten: Modern Times

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Modern Times

Böhmeke, Thomas

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Ich bin so up to date, up to dater geht’s nicht. Weil ich für meine continuing medical education amerikanische Fachliteratur bevorzuge. Von den bilingualen deutschen Veröffentlichungen lese ich immer nur die englische Version, das muss einfach sein. Damit ich meine daily defined dose an brandneuer Literatur auch zu mir nehme, habe ich mir ein fitbit zugelegt, das immer dann fiept, wenn ich alles beisammenhabe. Aber meine Zeit reicht manchmal nicht, daher fiept es nur selten. Trotzdem bin ich immer on top, habe stets die aktuellsten papers des scientific research parat.

Ich möchte mich nicht unverhohlen loben, bekenne mich jedoch als überzeugter Anhänger der participatory medicine, aber auch offline können sich meine Schutzbefohlenen – face to face – davon überzeugen, dass ich meine skills zu ihrem benefit performe. Die Sprechstunde ist bei mir keine solche, in der die Patienten nichts zu sagen haben, sondern sind meetings, gar events, besser gesagt q-and-a-sessions. Ja, gemeinsames brain-storming ist das take-off zum decision making! Somit habe ich jederzeit ein gutes feeling, die quality, optimal zu handeln. Bench marking ist mein Streben, challenge mein Leben! Das ist meine Art der work-life balance, damit halte ich mich fit! Aber ich bin nicht alleine, auch mein team überzeugt durch seine performance, ist sozusagen meine task force für good medical practice. Corporate identity ist selbstverständlich, liability der master plan. Regelmäßige team meetings sind obligatorisch, plan-do-check-act ist ein must, full service die roadmap zu wellness!

Nachdem ich mich am Wochenende wieder mit amerikanischer Fachliteratur upgedated habe, betrete ich mit stolzgeschwellter chest meine unit. „Good morning, overall“, begrüße ich fröhlich meinen staff. Die team Leaderin hat schon das erste Problem für mich: „Herr Doktor, vorne ist ein ausländischer Patient, aber Sie können sich doch auf Englisch mit ihm verständigen, nicht wahr?“ „Wie bitte? Sehe ich etwa aus wie ein Fremdsprachenbüro? Der soll einen Dolmetscher mitbringen!“

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

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