ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2011Schlafstörungen bei Morbus Parkinson: Kontinuierlicher Dopaminagonismus bessert Symptome

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schlafstörungen bei Morbus Parkinson: Kontinuierlicher Dopaminagonismus bessert Symptome

Gulden, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Parkinson-Patienten schlafen häufig schlecht: Unter anderem beeinträchtigt offenbar die therapeutische pulsatile Stimulation der Dopaminrezeptoren die Struktur des Schlafs. Die vom Hersteller UCB-Pharma geförderte multizentrische internationale Phase-III-Studie RECOVER hat deshalb untersucht, inwiefern der transkutan und damit kontinuierlich applizierte Dopaminagonist Rotigotin neben der motorischen Symptomatik auch Schlafstörungen bessert.

Dazu wurden 287 Patienten
mit idiopathischem Parkinson-Syndrom und unzureichender Kontrolle morgendlicher Bewegungsstörungen im Verhältnis 2 : 1 randomisiert und erhielten doppelblind für zwölf Wochen entweder ein Rotigotin-Pflaster (2–16 mg/24 Stunden) oder ein Placebopflaster. Die Unterschiede zwischen beiden Gruppen waren klar erkennbar:

In Teil III der Unified Parkinson‘s Disease Rating Scale, die morgendliche Bewegungsstörungen abbildet, ergab sich unter Rotigotin ein hochsignifikant stärkerer Rückgang (–3,55 Punkte, 95-%-KI –5,37 bis –1,73; p = 0,0002). In der modifizierten Parkinson’s Disease Sleep Scale war der Unterschied mit –4,26 Punkten noch ausgeprägter (95-%-KI –6,08 bis –2,45; p < 0,0001). Auch in der Parkinson’s Disease Non-Motor Symptoms Scale war der Dopaminagonist mit –6,65 Punkten vs. Placebo im Vorteil (95-%-KI –11,99 bis –1,31; p = 0,015). Häufigste Nebenwirkungen des Rotigotin-Pflasters waren Nausea (21 % vs. 9 %), lokale Hautreaktionen an der Applikationsstelle (15 % vs. 4 %) und Benommenheit (10 % vs. 6 %).

Fazit: Viele Parkinson-Patienten mit ausgeprägten morgendlichen motorischen Problemen scheinen von der kontinuierlichen Applikation dieses Dopaminagonisten zu profitieren. Besonders interessant sei die deutliche Verbesserung der schlafbezogenen Outcome-Parameter, meint Prof. Dr. med. Günther Deuschl (Kiel). Und es bestätige sich einmal mehr die wichtige Rolle der kontinuierlichen Stimulation der Dopaminrezeptoren: Die Zukunft der pharmakologischen Parkinson-Therapie werde durch die Entwicklung lang wirksamer Medikamente geprägt sein. Josef Gulden

Trenkwalder C et al.: Rotigotine effects on early morning motor function and sleep in Parkinson’s disease: A double-blind, randomized, placebo-controlled study (RECOVER). Mov Dis 2010; vorab online doi: 10.1002/mds.23441.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote