VARIA: Schlusspunkt

Ein guter Deutscher

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Der Offenbacher Kollege Dr. med. Harald Balló hielt letztes Jahr einen vielbeachteten Vortrag "Siegbert Tarrasch: Schachspieler, Arzt, Deutscher, Jude", aus dem ich mich im folgenden weidlich bediene.
Am Leben dieses Schach-Großmeisters wird die ganze Tragik des Versuchs einer jüdischen Assimilation in Deutschland deutlich, auch wenn Tarrasch nicht in den Gaskammern von Auschwitz oder Treblinka hat sterben müssen. Am 5. März 1862 wurde er in Breslau geboren, wo es eine große jüdische Gemeinde gab. Auf ihn mögen auch die Worte des Breslauer Rabbiners Abraham Geiger zutreffen: "Ich liebe Deutschland, trotzdem, daß mich, den Juden, dessen Staatseinrichtungen verstoßen; fragt die Liebe nach einem Grunde?" Auch Tarraschs Haltung war bis zu seinem Tode hauptsächlich dadurch bestimmt, ein guter deutscher Staatsbürger zu sein und seinem Vaterlande zu dienen. Seinem ältesten Sohn gab er nach dem verehrten König der Preußen den Vornamen Fritz. Als er das Turnier in Manchester 1890 gewann, betonte er, wie er sich freute, den "Herzenswunsch vieler deutscher Schachspieler erfüllt zu haben". Tarrasch hätte sicherlich Steinitz (Weltmeister von 1886-1894) den Titel entreißen können, doch eine eigenartige Ambivalenz und die Ausübung seiner Arztpraxis verhinderten dies. Wegen seiner pädagogischen Fähigkeiten und glänzenden Feder erhielt er den Beinamen "Praezeptor Germaniae"; was muß er wohl gefühlt haben, als er im August-Heft 1933 seiner eigenen Schachzeitung schreiben mußte: "Der Arierparagraph solle eingehalten werden"? Neun Monate zuvor hatte er dort noch geschrieben: "Kann Schach nicht schließlich das Nationalspiel der Deutschen werden?. . ." 1935 sollten in seiner Stadt Nürnberg, wo er dann lebte, Gesetze verabschiedet werden, durch die die deutschen Juden ihre politischen Rechte verloren. Er hat dies glücklicherweise nicht mehr erlebt, er starb am 17. Februar 1934. Ein Juwel gelang ihm in Neapel 1914 gegen Allies. Mit einem phantastischen Opfer-Sperrzug erzwang er als Weißer ein baldiges Matt. Wie?


Lösung: Mit dem Läuferopfer 1. Lc7! erzwang Tarrasch eine Schnittpunktverstellung. Es droht plötzlich sowohl 2. Db7 als auch 2. Txc5 matt. Auf 1. . . . Txc7 würde Weiß mit 2. Db7+! auch noch seine Dame opfern, um nach 2. . . . Txb7 mit 3. Txc5+ mattzusetzen. Schwarz versuchte noch 1. . . . Dxc7, ohne indes seinem König nach dem weiteren 2. Txc5+ Dxc5 3. Db7+ Kxa5 4. Ta1+ das gleiche Schicksal ersparen zu können.

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