SUPPLEMENT: Geldanlage

Neuer Fonds: Anlegerstrategie à la Warren Buffet

Dtsch Arztebl 1997; 94(41): [7]

AL

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LNSLNS Coca-Cola ist eines der Unternehmen, an denen Warren Buffet, der legendäre US-Investor, eine größere Beteiligung hält. Buffet gilt nach Bill Gates als der zweitreichste Mann der USA. Anders als Gates verdankt er seinen Reichtum nicht einem Produkt, sondern seinen geschickten Aktieninvestments. Ein deutscher Fondsmanager versucht nun, es seinem Vorbild in moderner Form nachzumachen.
Warren Buffet ist kein Spekulant, sondern ein Investor im wahrsten Sinne des Wortes. Er erwirbt Aktien von Unternehmen, denen er langfristig ein überdurchschnittliches Wachstum zutraut. Neben der Beteiligung von 8,1 Prozent an Coca-Cola hält der Dollar-Milliardär Pakete von American Express, Walt Disney, Gillette, McDonald’s und der angesehenen Zeitungsgruppe Washington Post.
Es handelt sich hier fast ausnahmslos um Aktien von Unternehmen, die kein spektakuläres Produkt erzeugen, die nicht in der heute so beliebten Hochtechnologie tätig sind und die auch keine 50prozentigen Umsatz- und Gewinnzuwächse aufweisen wie zeitweise Computerhersteller oder Software-Lieferanten. Dafür erzielen sie aber schon seit Jahrzehnten Umsatz- und Gewinnzuwächse von zehn bis 15 Prozent: Jahr für Jahr, beinahe ohne Aussetzer.
Kursgewinn:
2 200 Prozent
Warren Buffet verwaltet die Beteiligung an Coca und anderen Investments über die Berkshire Hathaway, eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit dem stolzen Börsenkurs von zirka 38 000 Dollar. 38,8 Prozent der Gesellschaft besitzt er persönlich, der Rest ist breit gestreut. 1965 übernahm er das Textilunternehmen und wandelte dieses im Lauf der Zeit zu einer Art Investmentgesellschaft auf Aktienbasis um. Wer Buffetts Spuren gefolgt ist, konnte in den 32 Jahren bis zum Frühsommer 1997 einen Kursgewinn von 2 200 Prozent erzielen. Das heißt: Aus einer Anlage von 1 000 Dollar wurden 2,2 Millionen Dollar.
Buffet legt an wie ein Mann, der einige Jahre auf Weltreise gehen will und sich in dieser Zeit nicht um die Aktien kümmern kann. Er kauft die Aktien der besten Unternehmen mit dem besten Management. Und er achtet darauf, daß er Unternehmen erwirbt, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Das ist im Augenblick natürlich schwer, da die Unternehmen fast ausnahmslos darüber gehandelt werden. Gerade in Haussezeiten gehört nach seiner Auffassung viel Stehvermögen dazu, Gewinne nicht zu realisieren. Warren Buffet hält an seinen Beteiligungen weitgehend fest.
Vergeblich wird man allerdings Vertreter der Hochtechnologie, Computer- oder auch Software-Unternehmen im Portefeuille suchen. Nicht, daß er von diesen Branchen nichts hält. Aber davon versteht er nichts, wie er behauptet, und deshalb investiert er dort nicht.
Die Strategie von Buffet nicht nur nachzuahmen, wie es viele vor ihm getan haben, sondern weiterzuentwickeln und um die Hochtechnologie zu erweitern, versucht nun Dr. Hendrik Leber. Der promovierte Betriebswirt ist bisher schon sehr erfolgreich in der Vermögensverwaltung mit Fonds tätig (1996 nach der Rangliste des Newsletter "DM Fonds Aktuell" Nummer eins). Im Frühjahr hat er einen Fonds aufgelegt, der exakt die BuffetMethoden anwendet, aber gleichzeitig versucht, die Auswahlmethoden des Altmeisters auch auf die Branchen Hochtechnologie und vor allem Biotechnik auszuweiten: den Acatis Aktien Global Fonds UI. Ziel: Günstiger Einkauf
Im Acatis-Fonds sind zum Beispiel Werte wie Intel, Compaq und 3 Com zu finden. Das Auswahlkriterium von Warren Buffet hat er auf die Branche übertragen, die vom Übergang zum digitalen Zeitalter profitiert. Er setzt auf Aktien von Unternehmen, die in ihrem Markt oder in ihrem Marktsegment führend sind. Typisches Beispiel dafür ist Intel, das den Markt für Chips beherrscht. Aber auch ein zweites Kriterium darf nicht vergessen werden: der günstige Einkauf. Deshalb steht zum Beispiel ein Wert wie Monsanto bei Leber nur auf der Watch-List. Das Unternehmen hat eine Marktführerschaft bei Saatgut (und profitiert vom Wachstum in den Schwellenländern), war aber dem Acatis-Fondsmanager bislang zu teuer.
Auch kleine Biotechnologie-Titel von Unternehmen, die in ihrem Bereich als Marktführer gelten, sind im Acatis-Portefeuille vertreten. Zu ihnen zählt zum Beispiel Affymetrix, das in der gentechnologischen Diagnostik eine Art Marktführerschaft hat. Das US-Unternehmen entwickelte GeneChip, ein System, das es ermöglicht, große Mengen genetischen Materials zu analysieren. Ein anderer Titel aus dem Bereich Biotechnologie ist Gilead Sciences, eine Firma, die in der Virenforschung tätig ist. Das Unternehmen entwickelte Medikamente, die bei der Behandlung von AIDS, Herpes und Hepatitis eingesetzt werden.
Leber verfolgt wie sein Vorbild Buffet eine langfristige Strategie und verlangt dies auch von seinen Anlegern. Mindestens fünf Jahre, besser zehn, am besten aber 20 Jahre sollte der Anlagehorizont sein. Und ähnlich wie Buffet hält er nicht viel von Umschichtungen: "Wenn ich umschichten muß, habe ich vorher bei der Investitionsentscheidung einen Fehler gemacht." Die Wertpapierkennummer des Fonds ist 978 174. Es wird ein Ausgabeaufschlag von fünf Prozent erhoben. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,35 Prozent. Die Mindestanlage beträgt 3 000 DM; es sind auch Sparraten von 200 DM im Quartal möglich. (Weitere Informationen: Kettenhofweg 96, 60325 Frankfurt/ Main) AL


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