ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Kostenerstattung: Mythen aufdecken

SPEKTRUM: Leserbriefe

Kostenerstattung: Mythen aufdecken

Beck, Winfried

Zur Diskussion um die Kostenerstattung für GKV-Patienten:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Kostenerstattung anstelle der Sachleistung bei Kassenpatienten gilt es, in der Öffentlichkeit kursierende Mythen aufzudecken.
! Das Gesamthonorar aller Kassenärzte wird auch nach Einführung der Budgets nicht kleiner, sondern wächst mit der Grundlohnsumme, also zur Zeit 1,3 Prozent jährlich.
! Der Anteil der Facharzthonorare am Gesamthonorar bleibt auf dem Stand von 1995. Orthopäden, Urologen, . . . haben also als Gruppe keine Einbußen zu erwarten, etwa durch eine Umverteilung zugunsten der schlechter verdienenden Allgemein- oder Kinderärzte oder der Psychotherapeuten.
! Es gibt keine einzige Ausgrenzung von Leistungen aus dem Katalog der Kassen. Alles, was bisher bezahlt wurde, muß auch weiterhin auf Chipkarte geleistet werden.
! Ärzte, die Patienten zur Kostenerstattung nötigen, machen sich strafbar. Die Entscheidung kann nur vom Patienten ausgehen.
! Ärzte mit vermehrten Kostenerstattungspatienten greifen nicht nur in das Portemonnaie ihrer Patienten, sondern schaden auch ihren Kollegen: da für die Kostenerstattung keine Mengenbegrenzung vorgesehen ist, werden diese Ärzte übermäßig Leistungen erbringen. Die Kosten dafür werden dann vom Budget aller anderen Ärzte abgezogen, so daß deren Einkommen sinkt.
! Die Einführung der Praxisbudgets ist eine Entscheidung der Selbstverwaltung der Kassenärzte als Reaktion auf die Zunahme betrügerischer Abrechnungen. Sie ist keine Direktive aus Bonn.
Es wäre wünschenswert, wenn sich andere Facharztverbände dem Beispiel des Vorsitzenden des hessischen Berufsverbandes der HNO- Ärzte anschlössen, der sich eindeutig von der Anzeige einiger seiner Kollegen distanzierte: "Mediziner dürfen nicht ihren Vorteil zu Lasten der Patienten suchen."
Kranke haben durch die Seehoferschen Gesetze seit 1. Juli erhebliche finanzielle Einbußen. Wir sollten dies nicht noch durch das Propagieren der Kostenerstattung verschlimmern.
Dr. med. Winfried Beck, Atzelbergstraße 46, 60389 Frankfurt/Main
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote