ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Kuren: Von obskuren Sanatorien trennen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Kuren: Von obskuren Sanatorien trennen

Mutschler, Jörg

Zu dem Kommentar "Mit zweierlei Maß" von Prof. Dr. med. Fritz Beske in Heft 31-32/1997:
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LNSLNS Wer es nach der in der Geschichte des deutschen Gesundheitswesens beispiellosen Fledderei, die mit dem Rehabereich veranstaltet wurde, für richtig hält, Minikorrekturen wie die im Artikel angesprochenen 450 Millionen DM 1998 beziehungsweise 900 Millionen DM 1999 als unangemessen zu bezeichnen, ist entweder ein Zyniker oder uninformiert. Die Nachbesserungen werden nicht einmal dazu ausreichen, die im gleichen Atemzug auf den Rehasektor verlagerten Kosten für berufliche Weiterbildung auch nur annähernd auszugleichen, werden den von Herrn Beske so genannten "Kuren" also mit keiner müden Mark helfen. Gleichzeitig wurde die historische Chance wieder vertan, sich endlich von den über 200 obskuren Sanatorien zu trennen, die kaum vernünftige ärztliche beziehungsweise therapeutische Strukturen vorhalten. Dies können nur die Kostenträger durch Nichtbelegung erreichen, was sie bisher unglaublicherweise aber kaum tun. Deren Verwaltungskosten steigen aber munter weiter. Weiterhin trifft die Fixierung auf das Bezugsjahr 1993 die neuen Bundesländer ungleich härter als die alten, da erstere zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte des im Westen üblichen Niveaus der Inanspruchnahme von Rehamaßnahmen erreicht hatten. Die Durchschnittsbelegung der hochmodernen Ost-Kliniken liegt bei 50 Prozent. Die Forderung Reha vor Rente existiert selbstverständlich unverändert, die Zahl der chronisch Kranken hat eher zu- als abgenommen. Die Zahl der Arbeitslosen hat mit dieser Problematik nicht das geringste zu tun, da es Millionen chronisch Kranker bei den Berufstätigen gibt, die wegen der Arbeitsmarktsituation trotz dringender medizinischer Notwendigkeit aus Angst vor Arbeitsplatzverlust keine Rehaanträge mehr zu stellen wagen. Dies führt zu immer längeren Krankschreibungszeiten, zu Frühberentung etc. Wer sich etwas in dieser Szene auskennt, weiß, daß die Folgekosten dieser dümmlichen Politik ein Vielfaches der Einsparungen verschlingen werden. Im Osten dauert es auch jetzt noch ein gutes Jahr, bis ein Langzeitkrankgeschriebener zur Reha erscheint, unter vollschichtig Arbeitsfähige werden per Dekret grundsätzlich EU-berentet.
Dr. med. Jörg Mutschler, Median Klinik Lobenstein, Am Kießling 1, 07356 Lobenstein
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