ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Atlas der Giftherde Röntgen und Kernspintomographie

SPEKTRUM: Bücher

Atlas der Giftherde Röntgen und Kernspintomographie

Dtsch Arztebl 1997; 94(43): A-2783

Daunderer, Max

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LNSLNS Max Daunderer: Atlas der Giftherde Röntgen und Kernspintomographie. Kompendium der klinischen Toxikologie, ecomed-Verlag, Landsberg, 1997, 98 DM
Beim Studium dieses Buches erfaßt den Toxikologen und Röntgenologen zunächst Sprachlosigkeit. Hat man die Sprache wiedergefunden, kann folgendes konstatiert werden: Man kann nur hoffen, daß nie zuvor ein Buch wie dieses geschrieben oder von einem medizinisch-wissenschaftlichen Verlag gedruckt wurde. Zum Inhalt des Buches: Es wird behauptet, daß sich vom Körper aufgenommene Gifte vorwiegend im Zentralnervensystem als Herde ablagern und mit der Kernspintomographie dort nachweisbar sind. Sie führen auf nicht näher aufgeführte Weise zu allen nur erdenklichen Erkrankungen. Als Hauptgift wird das Amalgam angeschuldigt, das somit für alle menschlichen Erkrankungen zuständig ist. Aber nun zum eigentlichen Inhalt des Buches, das sich als röntgenologischer Atlas vorwiegend mit MR-Bildern ausgibt: Wer hat diese Bilder befundet? Hat dies der Autor selbst getan, oder stammen diese Befunde vom Radiologen? Hat der ausführende Radiologe diese Interpretation wirklich abgesegnet?
Um die Wissenschaftlichkeit zu beweisen, wird im Vorwort behauptet, daß die in den meist kernspintomographischen Bildern gezeigten Giftherde ausnahmslos durch Nachweis im operativ entfernten Gewebe bestätigt wurden. Wollte man dieser Aussage Glauben schenken, so hätte eine Unzahl von Hirnbiopsien an völlig gesundem Hirngewebe stattfinden müssen. Es ist zu hoffen, daß sich kein Neurochirurg zu dieser Tat bereit erklärt hat. Es ist unmöglich, den im Buch enthaltenen Unsinn im einzelnen zu widerlegen, da hierfür ein weiteres Buch mit doppeltem Umfang geschrieben werden müßte. Dennoch soll ein eklatantes Beispiel genannt werden. So findet man unter Putamen folgende Erklärung: "Hirnkern, der, wenn er in der rechten Gehirnhälfte auftritt, eine Manie, wenn er links auftritt, eine Depression auslöst." Das Putamen ist eine normale anatomische Struktur, die auch bei Personen ohne psychiatrische Störung vorhanden ist. Studiert man die dazugehörige Abbildung, ist der Sitz der Depression beziehungsweise Manie jedoch plötzlich in das Pallidum lokalisiert.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß dieser vorwiegend radiologische Atlas von einem Autor verfaßt wurde, der offensichtlich keine ausreichende Kenntnis in der Neuroradiologie, Neuropathologie und in der Interpretation von Kernspinaufnahmen des Gehirns besitzt. Dem Verlag muß angelastet werden, offensichtlich keinen fachkompetenten Lektor betraut zu haben.
Thomas Zilker, München
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