ArchivMedizin studieren2/2011Hygienegesetz: Sanktionen für Hygiene-Muffel

Politik

Hygienegesetz: Sanktionen für Hygiene-Muffel

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In puncto Hygiene sollen ab Sommer in allen Bundesländern klarere Vorgaben gelten und Verstöße als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Der Tod dreier Säuglinge in Mainz brachte die Debatte um ein Hygienegesetz mit ins Rollen. Die Babys starben, weil ihre Infusion durch einen Materialfehler der Flasche bakteriell verunreinigt war. Foto: iStockphoto
Der Tod dreier Säuglinge in Mainz brachte die Debatte um ein Hygienegesetz mit ins Rollen. Die Babys starben, weil ihre Infusion durch einen Materialfehler der Flasche bakteriell verunreinigt war. Foto: iStockphoto

Die Skandale sind vielen noch in Erinnerung: Unsauberes Operationsbesteck nach der Reinigung am Klinikum Fulda oder kontaminierte Infusionsflaschen, die im vergangenen Sommer zum Tod dreier Säuglinge am Uniklinikum Mainz geführt haben. Hygienemängel an deutschen Krankenhäusern werden von den Medien derzeit häufig thematisiert, und auch viele Ärztinnen und Ärzte fordern Maßnahmen, um die Hygieneprobleme in den Griff zu bekommen.

Anzeige

Zwar existiert in Deutschland eine Hygienerichtlinie, erstellt von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) des Robert Koch-Instituts (RKI). Doch rechtlich bindend sind diese Empfehlungen nicht. Das heißt im Klartext: Verstöße gegen sie haben keine Folgen. Ein weiteres Problem in Deutschland: Hygiene ist Ländersache. Und derzeit gibt es nicht in allen Bundesländern entsprechende Verordnungen, sondern lediglich in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen. Zuletzt haben Bayern (Dezember 2010) und Baden-Württemberg (Januar 2011) Krankenhaushygieneverordnungen erlassen.

Doch möglicherweise werden die anderen Länder bald nachziehen. Denn die Regierung plant, im Infektionsschutzgesetz eine Regelung zu schaffen, die alle Bundesländer in die Pflicht nimmt, Hygieneverordnungen für Krankenhäuser sowie weitere relevante Einrichtungen des Gesundheitswesens zu erlassen. Noch in diesem Sommer soll das neue Hygienegesetz in Kraft treten. Das Bundeskabinett hat den entsprechenden Gesetzentwurf bereits Mitte März gebilligt. Danach sollen Verstöße gegen die Vorschriften als Ordnungswidrigkeit geahndet werden können. Eine neue Kommission soll zudem Empfehlungen für den Einsatz von Antibiotika formulieren, die ebenso wie die bestehenden Empfehlungen der KRINKO ein größeres rechtliches Gewicht bekommen sollen.

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene begrüßt diese Entwicklung. Sie fordert bereits seit langem eine deutschlandweit verbindliche Krankenhaushygiene-Verordnung. Sie sollte sich nach ihrer Ansicht an der RKI-Richtlinie und den Empfehlungen der Fachgesellschaften orientieren sowie die Möglichkeit enthalten, Sanktionen gegenüber jenen Kliniken auszusprechen, die gegen die Grundprinzipien verstoßen. Für erforderlich hält die Gesellschaft auch, die Inhalte der Krankenhaushygiene verstärkt in die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses zu integrieren.

Auskunft über die Zahl der Krankenhausinfektionen geben die Daten
des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS-Daten), aus denen das an der Berliner Charité angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ, Charité – Universitätsmedizin Berlin) die Anzahl der nosokomialen Infektionen berechnet. 2008 traten danach etwa 500 000 nosokomiale Infektionen auf. 7 500 bis 15 000 Menschen starben an Infektionen, die sie im Krankenhaus erworben haben. „Etwa jede dritte nosokomiale Infektion ist vermeidbar, darunter etwa 1 500 bis 4 500 Todesfälle“, ist Dr. med. Christine Geffers (NRZ) überzeugt (siehe „Medizin“ in diesem Heft). Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote