ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung: Kein Kostenmanagement bei Hilfsmitteln

POLITIK: Aktuell

Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung: Kein Kostenmanagement bei Hilfsmitteln

Rieser, Sabine

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LNSLNS Die Krankenkassen schöpfen nach Ansicht des Prüfdienstes Kran­ken­ver­siche­rung des Bundesversicherungsamtes noch längst nicht alle Möglichkeiten der Kostenkontrolle aus. Im Jahresbericht 1996 kritisiert das Amt die Hilfsmittelversorgung, die Überprüfung von Krankenhausabrechnungen und die hohe Fehlerquote in der Startphase der Pflegeversicherung.
"Vor allem bei der Versorgung mit wiederverwendbaren Hilfsmitteln kümmern sich viele Krankenkassen noch immer überhaupt nicht um Einsparpotentiale", lautet eine Folgerung des Prüfdienstes Kran­ken­ver­siche­rung beim Bundesversicherungsamt. Selbst die Tatsache, daß sich die Pro-Kopf-Ausgaben für Hilfsmittel von 1990 bis 1995 ungefähr verdoppelt haben, läßt die Krankenkassen demnach kalt. Als Gründe nennt der Prüfdienst Marketingerwägungen sowie die Mentalität mancher Kassen, sich nicht um derartigen "Kleinkram" zu kümmern.
Der Prüfdienst erinnert deshalb in seinem Jahresbericht 1996 die Krankenkassen an sein "Versorgungspauschalenmodell". Statt Hilfsmittel einzukaufen, sollten sie besser gemietet und mit den Lieferanten dafür Versorgungspauschalen vereinbart werden. Ein sinnvolles "Standardleistungspaket Versorgungspauschale" könne unter anderem eine Beratung des Benutzers mit Hausbesuch, die Anpassung und Einweisung, aber auch Reparaturen umfassen. Der Vorteil solcher Pauschalen sei, daß die Kassen eher Preisvergleiche anstellen könnten. Zudem würden die Versicherten schneller und flexibler versorgt. Bislang laufe zum Beispiel ein Austausch eines Hilfsmittels meist "auf einen Papierkrieg größerer Dimension" hinaus.
Krankenhäuser:
Zu viel Geld
Ein weiterer Kritikpunkt: Viele Krankenkassen überprüfen Krankenhausabrechnungen nur unzureichend. Manche Krankenhäuser müssen aufgrund von § 28 Abs. 9 Satz 4 2. HS Bundespflegesatzverordnung besondere Pflegesätze um zehn Prozent kürzen, sofern sie daneben auch Sonderentgelte erheben. Die Kassen müßten bei der Überprüfung von Rechnungen also differenzieren. "Unterlassen sie dies, bleibt . . . offen, ob die Krankenhäuser Pflegesätze zu recht nicht gekürzt beziehungsweise unberechtigterweise volle Pflegesätze in Rechnung gestellt haben."
Kostenübernahme
für Alternatives
Nach wie vor erstatten Krankenkassen ihren Versicherten auch die Kosten alternativer Heilmethoden, obwohl der Bundesausschuß Ärzte und Krankenkassen sie als nicht wirksam abgelehnt hat. Der eigenen Beratung schreibt es die Behörde andererseits zu, daß sich die Ersatzkassen im November 1996 über einen Katalog von Maßnahmen verständigt haben, die sie seit 1997 als alternative Therapie anerkennen oder ablehnen: "Dieses Papier kann sich als gelungener Einstieg erweisen, den kostenträchtigen Therapiewettbewerb . . . zu beenden, zumindest aber einzudämmen."
Der Prüfdienst Kran­ken­ver­siche­rung hat schließlich in mehr als der Hälfte der 216 Prüfverfahren im Jahr 1996 die Arbeit der Pflegekassen untersucht. Ergebnis im Frühjahr 1996: Es wurden viele Fehler gemacht. Als Gründe werden der Zeitdruck und die unzulängliche Vorbereitung auf den Vollzug des Gesetzes genannt. Inzwischen habe sich die Situation jedoch gebessert. Sabine Rieser
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