ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Richtlinien zur Transplantation peripherer Blutstammzellen: Screening nach Tumorzellen

MEDIZIN: Diskussion

Richtlinien zur Transplantation peripherer Blutstammzellen: Screening nach Tumorzellen

Kübler, Ulrich

Zu der Bekanntmachung des Wissenschaftlichen Beirates der Bundes­ärzte­kammer unter Mitwirkung des Paul-Ehrlich-Instituts in Heft 23/1997
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LNSLNS Zu den Richtlinien halte ich folgende Anmerkung für notwendig: Während man auf Selbstverständlichkeiten wie Blutdruckkontrolle und Nichtkontamination der Zellen mit Bakterien und die entsprechende Dokumentation Wert legt, übergeht man (absichtlich oder ohne Absicht?) die Tatsache, daß Stammzellen in den allermeisten Fällen nach der Apherese mit Tumorzellen kontaminiert sind, in so starkem Maße, daß die amerikanische Food and Drug Administration vor Reinfusion dieser den Nachweis der Verringerung oder Eliminierung der Tumorzellen verlangt. Überraschend ist dies nicht. Denn bei Tumorkranken rezirkulieren aus dem Knochenmark oder aus den Metastasen heraus, sofern diese Anschluß an die Blutbahn haben, in vielen Fällen Tumorzellen. Diese können heutzutage in der Blutbahn über Polymerasekettenreaktion (PCR) und diagnostische Apherese nachgewiesen werden, was bereits tägliche Praxis ist.
Durch die Anwendung von koloniestimulierenden Faktoren zur Verbesserung der peripheren Stammzellausbeute wird dieses Phänomen noch verstärkt. Insofern ist es völlig unverständlich, daß hier im Interesse der Sicherheit des Patienten kein Monitoring von zirkulierenden Tumorzellen in Stammzell-Buffy-Coats zwingend empfohlen wird.
Im Gegensatz zu anderen Zentren ist dies bei uns schon bei Lak-Zell-Protokollen zwingend üblich. Wir haben auf diesem Gebiet entsprechendes publiziert; die Kenntnis der übrigen Weltliteratur wird von uns vorausgesetzt. Mehreren Kommissionsmitgliedern sind diese Phänomene genau bekannt, so zum Beispiel Prof. Mertelsmann, mit dem ich diese Angelegenheit auf dem Stammzell-Meeting in Mülhausen 1995 entsprechend diskutiert habe. Entsprechendes Protokoll dieses Meetings ist auch im Internet verfügbar unter www.kubler.com. Sicher bekannt ist dies auch an den Heidelberger Universitätskliniken, wo Prof. Bastert gegen zirkulierende Tumorzellen in der Blutbahn eine Immunantwort auszulösen versucht. Dies könnte er nicht tun, wenn es solche Zellen nicht gäbe.
Es ist meine und meiner Mitarbeiter Meinung, daß hier die drohende Auflösung des TNM-Systems durch Verschweigen der Möglichkeit, zirkulierende Tumorzellen, die die Stammzellen kontaminieren, als Surrogatmarker zu verwenden, gebremst werden soll.


Dr. med. Ulrich Kübler
Siebertstraße 6
81675 München


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