ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Pkw-Besteuerung: Weiterhin Ärger mit 1-Prozent-Regelung

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Pkw-Besteuerung: Weiterhin Ärger mit 1-Prozent-Regelung

Wendland, Holger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die "1-Prozent-Regelung" für die Besteuerung von Privatfahrten mit einem Firmenwagen wird kritisiert, seit sie 1996 eingeführt wurde. Im Extremfall ist nach wie vor kein Pfennig der Kosten mehr als Betriebsausgabe absetzbar. Wer die Regelung umgehen möchte, muß ein Fahrtenbuch führen - wegen der vielen Vorgaben eine mühsame Angelegenheit. Für Ärzte wird sie nun noch aufwendiger.
Ärzte sind in Zukunft trotz der beruflichen Verschwiegenheitspflicht nicht dazu berechtigt, auf die Angabe des Patientennamens im Fahrtenbuch zu verzichten. Anders als zum Beispiel Journalisten dürfen sie (und andere Freiberufler) gegenüber den Finanzbehörden nicht die Auskunft über die Person verweigern, sondern nur über Tatsachen, die ihnen die Person in ihrer Eigenschaft als Arzt anvertraut hat. Das hat das Bundesfinanzministerium (BMF) in einem Schreiben vom 1. August 1997 (IV B 2S 2177-80/97) klargestellt.
Für Ärzte, die regelmäßig Hausbesuche machen und bisher - mit Billigung der Finanzbehörden - neben Datum, Kilometerstand und Ort nur den Vermerk "Patientenbesuch" eingetragen haben, gilt eine Übergangsregelung. Bis zum 31. Dezember 1997 können sie weiter nach dieser Methode verfahren. Vom 1. Januar 1998 an müssen sie jedoch zusätzlich den aufgesuchten Patienten (als Geschäftspartner) genau bezeichnen. Enthält das Fahrtenbuch die entsprechenden Angaben nicht, gilt es als nicht ordnungsgemäß geführt. Das Finanzamt ermittelt den zu versteuernden Privatanteil des Praxis-Pkw dann nach der sogenannten 1-Prozent-Methode.
Eben diese Methode führt jedoch zu teilweise unsinnigen Ergebnissen. Im Extremfall ist es möglich, daß auch bei einem in großem Umfang betrieblich genutzten Wagen keine Mark als Betriebsausgabe absetzbar ist. Worum geht es bei der 1996 eingeführten 1-Prozent-Regelung?
Nach dieser Vorschrift muß pro Monat ein Prozent des inländischen Listenpreises eines Wagens als Privatanteil versteuert werden. Kauft ein Arzt einen Praxis-Pkw zum Listenpreis von 60 000 DM, führt dies in den ersten fünf Jahren zu abzugsfähigen Betriebsausgaben in Höhe von 10 800 DM und zu einem Privatanteil von 7 200 DM (siehe Tabelle).
Als Listenpreis gilt dabei - unabhängig vom Alter des Fahrzeugs - die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers zum Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich Sonderausstattungen (zum Beispiel Klimaanlage; ein Autotelefon gehört nicht dazu) und Umsatzsteuer. Die wirklichen Anschaffungskosten spielen dabei keine Rolle.
Auch wenn der Arzt oder die Ärztin mit dem Händler einen Preisnachlaß von einigen hundert oder sogar tausend DM ausgehandelt hat oder wenn ein älteres, gebrauchtes Fahrzeug gekauft wurde, gilt immer der offizielle Listenpreis zum Zeitpunkt der Erstzulassung als Grundlage für die Ermittlung des privaten Nutzungsanteils. Gebrauchtwagen und ältere, bereits abgeschriebene Fahrzeuge werden durch die 1-Prozent-Regelung zu einem teuren Vergnügen. Fällt im nebenstehenden Beispiel nach fünf Jahren die 20prozentige AfA weg, steht den laufenden Gesamtkosten von 6 000 DM ein zu versteuernder Privatanteil von 7 200 DM gegenüber. Damit müßte der Arzt sogar einen höheren Betrag als Privatanteil versteuern, als er tatsächlich an Aufwendungen hatte.
Um solche Härtefälle zu vermeiden, hat das Bundesfinanzministerium (mit Schreiben vom 18. Mai 1997 - IV B 6-S2334-173/96) eine Obergrenze eingeführt. Wenn der Arzt nachweist, daß der mittels der 1-Prozent-Methode ermittelte, zu versteuernde geldwerte Vorteil die tatsächlichen Kosten übersteigt, muß er als Privatanteil lediglich die Höhe der tatsächlichen Gesamtkosten versteuern; hier also 6 000 DM. Durch diese Deckelung des Privatanteils wird jedoch nur vermieden, daß die Nutzungsanteile die Betriebsausgaben übersteigen. Somit wird zwar eine Verminderung, nicht jedoch die eigentlich notwendige Vermeidung einer Übermaßbesteuerung erreicht.
Unter Steuerexperten überwiegen die Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Deckelung in Höhe der Betriebsausgaben. Wenn die betriebliche Nutzung weit überwiegt (was zum Beispiel bei Ärzten, die regelmäßig Hausbesuche machen, der Fall sein dürfte, vor allem bei Landärzten), sollte die Deckelung noch weiter eingeschränkt werden, da ansonsten die überproportionalen betrieblichen Aufwendungen mittelbar in die Privatnutzung eingehen würden und versteuert werden müßten.
Eine Vielzahl von Steuerberatern hat sich deshalb zur Wahrung der Interessen ihrer Mandanten entschlossen, den Pkw-Privatanteil - anders als im Schreiben des Bundesfinanzministeriums angegeben - auf 50 Prozent, gegebenenfalls sogar auf 20 Prozent der Betriebsausgaben zu beschränken. Dabei ist das Finanzamt jedoch zwingend auf die angewandte Methode hinzuweisen, um Rückfragen, Mehrarbeit oder sogar strafrechtliche Vorwürfe zu vermeiden. Da die Finanzämter noch an das anderslautende BMF-Schreiben gebunden sind, werden sie diese Berechnungsmethode vorerst nicht akzeptieren und eine andere Veranlagung vornehmen. Hat ein Arzt sich mit seinem Steuerberater auf dieses Vorgehen verständigt, ist das Einspruchsverfahren also unvermeidbar.
Holger Wendland, Düsseldorf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote