ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Mobiles Meßsystem: Diagnose beim Spazierengehen

VARIA: Technik für den Arzt

Mobiles Meßsystem: Diagnose beim Spazierengehen

Müllges, Kay

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LNSLNS Wenn Lunge oder Niere nicht mehr richtig funktionieren, ist oft eine relativ aufwendige und für den Patienten belastende Diagnostik erforderlich. Pathologische Fehlfunktionen menschlicher Organe oder Organsysteme können durch zeitliche Änderung der lokalen oder globalen Konzentrationen geeigneter radioaktiver Spurenstoffe, sogenannter Radio-Tracer, erkannt werden. Die dazu notwendigen Diagnosegeräte haben jedoch den entscheidenden Nachteil, daß der Patient während des Untersuchungszeitraums still liegen muß. Diese unerfreuliche Si-tuation will ein Gerät besei-tigen, das von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Karlsruhe und der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt wurde. Engypan nennen die Forscher ein Meßgerät, das in Zukunft die Diagnose unter realistischen Bewegungszuständen ermöglichen soll. Der Name leitet sich vom griechischen "engys" ab, was soviel wie "nahe bei" heißt. Beim Engypan-Meßverfahren werden kleine, tragbare, gammastrahlenempfindliche Detek-toren verwendet, die direkt über den zu untersuchenden Organen am Körper des Patienten befestigt sind. Je nachdem, ob ein oder zwei Radio-isotopen gemessen werden, können sechs oder zwölf solcher Sonden am Patienten befestigt werden. Das erlaubt eine präzise und realitätsbezogene Erkennung der Funktionsstörung. Eingesetzt werden kann das System jedoch nicht nur in der Nuklearmedizin, sondern beispielsweise auch auf der Intensivstation. Ist beispielsweise die Lungenfunktion eines Patienten nach einer schweren Operation oder einem Unfall gestört, läßt sich mit Hilfe des neuartigen Meßverfahrens das Ausmaß der Störung präzise feststellen. Dabei wird der Albuminflux in der Lunge des Patienten über Stunden gemessen und simultan analysiert. Sowohl die Erythrozyten als auch das Albumin werden radioaktiv markiert. Weil das Albumin sich bei einer Funktionsstörung der rechten oder linken Lunge im Gewebe anreichert, ist das Verhältnis der beiden Radiotracer zueinander ein direktes Maß für die Schädigung. Zur Zeit untersuchen die Wissenschaftler in einer klinischen Vorstudie, ob eine mobile Erfassung der Nierenfunktion mit dem Engypan-Meßsystem realisiert werden kann. Herkömmliche Messungen mit GammaKameras erlauben nur Aussagen über einen relativ kurzen Meßzeitraum von etwa 20 bis 30 Minuten. Bei gestörter Nierenfunktion ist es aber besonderes wichtig, über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden bei gleichzeitiger Entleerung der Blase zu messen. Sechs am Patienten befestigte Sonden erlauben nach den ersten Ergebnissen eine Diagnose über diesen Zeitraum. Der Patient kann sich dabei frei bewegen. Bereits während der Messung können die Daten online auf einem Touchscreeen dargestellt werden. Schließlich bietet das System einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Weil die tragbaren GammaSonden empfindlicher sind als herkömmliche Kameras, ist es möglich, die dem Patienten verabreichte Radioisotopen-Aktivität zu reduzieren. Kay Müllges
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