ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Schizophrenie-Therapie: Die Verträglichkeit ist das A und O

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Schizophrenie-Therapie: Die Verträglichkeit ist das A und O

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LNSLNS Durch den Einsatz von Neuroleptika bei akuten schizophrenen Psychosen können die Symptome bei 70 bis 80 Prozent der Patienten innerhalb von drei bis vier Wochen so weit gebessert werden, daß die Patienten wieder entlassen werden können. Doch 80 Prozent der Patienten erleiden ohne eine Rezidivprophylaxe mit Neuroleptika innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Rezidiv, unter neuroleptischer Langzeitmedikation sind es nur 15 bis 20 Prozent.
Noncompliance
Ein grundlegendes Problem der Langzeittherapie ist jedoch, daß die meisten Patienten die Medikation nicht einnehmen. "Ich fühle mich damit noch viel kränker als vorher", so begründen die Patienten ihre Ablehnung. Die Noncompliance mit der Medikation hält Prof. Die- ter Naber (Hamburg) für das größte Problem in der
Psychiatrie überhaupt.
Neue atypische Neuroleptika sind ein großer Fortschritt für die Therapie, da sie eine nebenwirkungsarme Pharmakotherapie erlauben. Mit Olanzapin (Zyprexa®, Eli Lilly) wurde kürzlich ein neues atypisches Neuroleptikum auf dem deutschen Markt verfügbar. Olanzapin wurde bisher in vier kontrollierten Studien über sechs Wochen an insgesamt 3 400 Patienten gegen Plazebo oder Haloperidol geprüft. Naber faßte die Ergebnisse auf der Einführungs-Pressekonferenz in Frankfurt zusammen.
Der BPRS-Score nahm unter Olanzapin mindestens ebenso gut ab wie unter Haloperidol. In einer Studie lag die Responderquote unter Olanzapin (Rückgang des BPRS-Scores um mindestens 40 Prozent in drei Wochen = Response) mit 51 Prozent sogar signifikant höher als unter Haloperidol mit 34 Prozent. Negative Symptome sprachen auf Olanzapin bes-ser an als auf Haloperidol; dieser Unterschied war in zwei Studien signifikant. Während viele klassische Neuroleptika die Stim- mung verschlechtern, besserte Olanzapin depressive Symptome in einer Studie sogar. Dieser Effekt sei besonders in der Langzeittherapie relevant, betonte Naber.
Der wichtigste Grund für die Noncompliance der Pa- tienten mit Neuroleptika sind extrapyramidalmotorische Symptome. Sie treten unter Olanzapin deutlich seltener auf als unter Halope- ridol. Die Neigung zu Aka-thisie wurde zum Beispiel durch Olanzapin vermindert, während sie unter Haloperidol zunahm. Auch das Risiko, irgendwann eine tardive Dyskinesie zu erleiden, war in den Studien unter Olanzapin nur halb so groß wie unter Haloperidol.
Schläfrigkeit und Gewichtsanstieg (bei Normalgewichtigen etwa zwei Kilo in sechs Wochen) wurden als wichtigste Nebeneffekte von Olanzapin registriert. Eine Knochenmarkstoxizität wie unter dem strukturverwandten Clozapin tritt unter Olanzapin nicht auf. Nach den guten Erfahrungen in klinischen Studien muß sich Olanzapin jetzt im täglichen klinischen Einsatz bewähren. Für die Akuttherapie empfahl Naber eine Dosis von zehn bis 15 mg, in der Rezidivprophylaxe sollten fünf bis 7,5 mg gegeben werden.
Dr. med Angelika Bischoff


Generika: Große vorn
Zu den entscheidenden Wettbewerbsfaktoren im Markt für Generika (geschätzter weltweiter Umsatz 1997: 18,9 Milliarden US-Dollar) zählt die Fähigkeit, generische Versionen von Medikamenten umgehend nach dem Erlöschen des Originalpatentes einzuführen. Weitere ausschlaggebende Faktoren sind Preis, Produktqualität, Kundendienst, Sortimentstiefe und die Fähigkeit, Marktnischen zu besetzen. Mit zunehmender Präsenz verschiedener generischer Produkte in einem bestimmten Markt basiert der Wettbewerb dann in erster Linie auf Produktqualität und Service. Diese Einschätzung vertreten die Autoren einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Frost & Sullivan.
Viele der reinen Generika-Produzenten werden inzwischen von großen Pharmakonzernen aufgekauft. Andere gehen selbst Allianzen und Joint-ventures mit Generika-Unternehmen ein, um ihr Produktsortiment zu erweitern.
Interessanterweise sind es nicht die kleinen und unabhängigen Hersteller, welche die Führungsrolle in der weltweiten Expansion übernehmen. Dies ist vielmehr Sache der Markenhersteller mit ihren größeren Ressourcen und ihrer weltweiten Er- fahrung - inzwischen auch mit Generika. Kleinen und mittelständischen Herstellern von Nachahmerprodukten fehlt es laut Frost & Sullivan an Geld und einer hinreichend breiten Produktpalette. Diese Firmen konzentrierten sich auf Nischenmärkte, speziell in Europa, in denen sie bessere Aussichten auf Erfolg haben. WZ


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