ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1997Börsebius zu Steuerberatern (II): Gut muß nicht teuer sein

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Steuerberatern (II): Gut muß nicht teuer sein

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die Honorare der Steuerberater sind durchaus nicht so zementiert, wie es die gottergebene Zahlungsbereitschaft der Mandanten andeutet. In den Zeiten der Kostendämpfung im Gesundheitswesen, wo es betriebswirtschaftlich mittlerweile auf jede Mark ankommt, ist allerdings falsche Bescheidenheit oder gar schamhaftes Schweigen völlig unangebracht.
Also, die Gebührenordnung für Steuerberater läßt Spielräume zugunsten des Mandanten zu, wie folgendes Beispiel leicht verdeutlicht: Sie haben positive Einkünfte von 250 000 Mark. Dann kann der Berater für das vierseitige Hauptformular 1 583 Mark verlangen. Aber er kann es auch bei einer Honorarforderung in Höhe von 263 Mark bewenden lassen. Sie sehen, die Spannen zu Ihren Gunsten oder zu Lasten Ihres Portemonnaies sind beträchtlich.
Ähnliche Gebührensprünge blühen Ihnen, wenn Sie anfangen, mit dem Finanzamt herumzustreiten. Bei einer Streitsumme von 50 000 Mark beläßt es ein anständiger Steuerberater bei einer Rechnung von 619 Mark, während ein Raubritter Ihnen 1 239 Mark abknöpft. Übrigens, die Gebühren verdoppeln sich automatisch, wenn der Berater an einem Gespräch mit dem Finanzamt teilnimmt, und sie verdreifachen sich gar, wenn eine Beweisaufnahme erforderlich ist. So kann es Ihnen ganz schnell passieren, daß Sie um Kaisers Bart streiten oder den Säckel anderer füllen, während Ihr Geldbeutel der Schwindsucht anheimfällt.
Wir haben also gelernt, daß ein Steuerberater immer die Wahl zwischen einem oder mehreren Zehntel des Richtwertes der Gebührenordnung hat. Welchen Zehntel-Wert der Mann nun wählt, hängt von Ihrem Verhandlungsgeschick ab, freilich auch von Ihrer Ordnungsliebe. Wer alle Belege fein säuberlich in einem Schuhkarton verschnürt abliefert, braucht sich sowieso nicht zu wundern, wenn ihm gebührenseitig die Ohren langgezogen werden.
Im Streitfall gilt vor Gericht eine Gebühr von drei bis vier Zehntel des Richtwertes als angemessen. Verlangt er mehr, hat der Steuerberater ausdrücklich die Beweislast des Mehraufwandes. Es gibt aber auch Fälle, wo der Steuerberater nach Stundensätzen abrechnet, wenn beispielsweise die Prüfung von Steuersparmodellen ansteht. Auch hier lohnt sich stures Verhandeln. Der Stundentarif liegt nämlich zwischen 60 und 155 Mark.
Am wichtigsten ist freilich, vorab abzusprechen, was für die nächsten Beratungsleistungen berechnet würde. Im nachhinein am Berater herumzuzerren kostet bloß beiderseits Nerven und nützt keinem. Börsebius
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