ArchivDeutsches Ärzteblatt12/1996Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf: Neue Vorwürfe auf Fehlbehandlungen

SPEKTRUM: Akut

Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf: Neue Vorwürfe auf Fehlbehandlungen

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Das wissenschaftlich renommierte, aber von Krisen geschüttelte Klinikum der Universität Hamburg (UKE) kommt nicht zur Ruhe: Dieses Mal trifft eine Verkettung von Umständen die Abteilung für Gynäkologische Radiologie unter der Leitung des vorzeitig in den Ruhestand getretenen Prof. Hans-Joachim Frischbier. Bereits im Dezember waren durch den Hamburger Rechtsanwalt Wilhelm Funke Vorwürfe auf Fehlbehandlungen infolge zu hoher Strahlendosen bei der Radiatio von rund 100 Karzinompatientinnen erhoben worden. Als Reaktion beauftragte die Hamburger Wissenschaftsbehörde eine Expertengruppe unter der Leitung von Prof. Michael Bamberg, vorliegende Patientenakten medizinisch auf juristisch verwertbare Tatsachen zu prüfen – dies betrifft auch die Methode zur Erstellung von Isodosenplänen. Fünfzehn Patientinnen, die in der Frauenklinik bestrahlt worden waren, klagen auf Schadenersatz.


Ebenfalls im Dezember – also wenige Tage nach den von Funke erhobenen Vorwürfen – haben sich Unbefugte Zutritt zum Archiv der Strahlenabteilung verschafft. Bei den Aufräumarbeiten wurden 1 500 Bildtaschen (nicht Krankenakten) neu sortiert. Dabei stellte man fest, daß das Bildmaterial von 37 Patientinnen inkomplett war. Laut Prof. Heinz-Peter Leichtweiß, Ärztlicher Direktor des UKE, handelt es sich hierbei nicht um Aufzeichnungen von Patientinnen, die Schadenersatzansprüche gestellt haben. Im Februar schließlich folgte das Amt für Arbeitsschutz einer anonymen Anzeige und ordnete in der gynäkologischen Radiologie die Stillegung des Therapiesimulators an, für den die Betriebserlaubnis bereits Ende 1991 abgelaufen war. Eine Ausweichmöglichkeit war durch den ordnungsgemäßen Therapiesimulator der Radiologischen Klinik in unmittelbarer Nachbarschaft gegeben.


Mit einem Simulator werden Krebspatienten vor der Radiatio geröntgt, um das Bestrahlungsfeld präzise berechnen zu können. Die Anschaffung eines neuen Therapiesimulators für die Gynäkologie war in den Jahren 1992, 1994, 1995 und 1996 im Wirtschaftsplan des UKE veranschlagt worden. Der Kauf dieses 1,2 Millionen Mark teuren Gerätes wurde jedoch jedesmal zurückgestellt. Laut Rechtsanwalt Funke muß die jahrelange illegale Nutzung des Therapiesimulators durch einen Strahlenschutzbeauftragten (Frischbier) als einer der denkbar schwersten Verstöße gegen den Patientenschutz vor Therapieschäden gewertet werden. In einer schriftlichen Stellungnahme äußerte Prof. Frischbier, daß durch die Röntgenstrahlen des Simulators weder Patienten noch Mitarbeiter mit übermäßigen Dosen belastet worden seien. Dr. med Vera Zylka-Menhorn

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