ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1997Internationale Automobilausstellung: Leistung kommt vor dem Verbrauch

VARIA: Auto und Verkehr

Internationale Automobilausstellung: Leistung kommt vor dem Verbrauch

Seidel, Marc

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LNSLNS Zur Internationalen Automobilausstellung kamen 1 290 Aussteller aus 41 Ländern nach Frankfurt am Main - und: rund 878 000 überwiegend junge Besucher. Während die Messe vor "Leistungsdaten" nur so strotzte, sehen sich Umweltschützer in ihrer Kritik an der Industrie eher bestätigt: Es ist nicht weit her mit dem "Drei-Liter-Auto". Weitere Pluspunkte gibt es jedoch in puncto Sicherheit.
Etwa jeder fünfte Besucher der 57. IAA trägt sich mit dem Gedanken, in Kürze einen Neuwagen zu kaufen. Gespart, so scheint es, wird überall, nur nicht beim Auto. Der Kraftstoffverbrauch ist offenbar kein übergeordnetes Kaufkriterium, denn die Industrie kann auf diesem Sektor auf allenfalls bescheidene Erfolge verweisen.
Keine Rede vom
Drei-Liter-Auto
Obwohl der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zugesichert hatte, den Verbrauch der Neuwagen bis zum Jahr 2005 um 25 Prozent zu reduzieren, war davon auf der IAA nicht viel zu sehen. Auf derselben Veranstaltung vor zwei Jahren stand noch das sogenannte "Drei-Liter-Auto" im Mittelpunkt. Heute ist es still geworden um den verbrauchsarmen Motor. Der angestrebten 25-Prozent-Marke hat sich die Autoindustrie erst um ein Drittel genähert. Smart-Car, eine Entwicklung von Mercedes und Swatch, leichte Dreizylinder-Diesel, etwa beim Opel Corsa, und direkteinspritzende Benziner (Mitsubishi GDI) konnten zwar begutachtet werden. In der Gesamtschau gingen diese Modelle aber fast schon wieder unter. Zu groß war die zahlenmäßige Übermacht der PS-Boliden nahezu aller Hersteller. Kaum ein Hersteller, der nicht mindestens mit einem neuen Fahrzeug auf der Messe vertreten war. Neue Triebwerke, viel Leistung und allerlei technische Finessen standen im Vordergrund. Allerdings muß der Industrie zugute gehalten werden, daß selbst die großvolumigen Motoren gegenüber früheren Jahren vergleichsweise geringe Verbrauchswerte aufweisen. Dennoch geht es bei solchen Modellen weniger um Verbrauchsminimierung als oberstes Ziel, sondern vielmehr um eine Kombination aus möglichst viel Leistung bei möglichst geringem Verbrauch. Sicherheit auf
hohem Niveau
Bei der Sicherheitsausstattung zeigte die Internationale Automobilausstellung ein sehr hohes Niveau. Nahezu jedes Neufahrzeug ist mittlerweile mit ABS, Gurtstraffern und Seitenaufprallschutz ausgerüstet, und auch die sogenannten Sidebags zählen immer häufiger zum Standard.
Eine Neuerung präsentierte Bosch als einer von mehreren Anbietern mit der Fahrdynamikregelung. Das System, FDR genannt, hält ein Fahrzeug bei ganz unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit manövrierfähig, indem es exakt die Räder bremst, die noch Haftung haben. Bosch zeigte die Fahrdynamikregelung mit Hilfe eines aufwendigen Simulators. Mit FDR ist ein Ausweichen und Bremsen selbst auf spiegelglatter Eisfläche möglich. Das System soll in Kürze von verschiedenen Autoherstellern angeboten werden. Aufgrund seiner aufwendigen Technik dürfte es aber vorerst nur bei Autos ab der oberen Mittelklasse zu finden sein.
Volle Auftragsbücher Die Auftragsbücher der Automobilindustrie sind - so war es auf der Messe zu hören - voll, und die Hersteller zeigen sich über die Kundenresonanz auf die Neuvorstellungen zufrieden. Der erhoffte Impuls für den Arbeitsmarkt blieb hingegen bislang aus. Durch den "Autoboom" sind lediglich rund 14 000 Stellen neu geschaffen worden - auffallend wenig für eine Schlüsselindustrie. Marc Seidel
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