ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1997Privatkliniken/Rehabilitation: Spuren der Sparaktionen

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Privatkliniken/Rehabilitation: Spuren der Sparaktionen

Clade, Harald

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LNSLNS Die privaten Rehabilitationskliniken spüren immer mehr die Folgen der Mitte 1996 wirksam gewordenen Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen vor allem auf dem Sektor der Rehabilitation, der Vorsorgekuren und im Bereich der Anschlußrehabilitation. Das gilt für alle: Unter den privaten Klinik-Ketten und den börsennotierten Krankenhäusern gibt es keine "weißen Raben".
Von den seit Anfang Oktober 1996 fast flächendeckend vorgenommenen Kündigungen der Versorgungs- und Belegungsverträge der Rentenversicherungsträger sind fast alle der rund 1 480 Rehabilitations- und Vorsorgekliniken in Deutschland betroffen, wie kürzlich der Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten e.V., Bonn, ermittelte. Danach mußten bereits 150 Rehabilitationskliniken "dichtmachen" oder kurzfristig den Betrieb umstellen. Viele ausschließlich auf Rehabilitation spezialisierte Kliniken stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin.
Bisher wurden jährlich etwa 1,2 Millionen stationäre Reha-Maßnahmen durchgeführt. Infolge der Kündigungsaktionen vor allem der Bundesanstalt für Angestellte (BfA) gehen die Rentenversicherungsträger dazu über, in erster Linie die Eigeneinrichtungen zu belegen, um bei maximaler Kapazitätsauslastung einigermaßen rentabel über die Runden zu kommen. Die übrigen 1 300 auf dem freien Reha-Markt agierenden Kliniken haben dann das Nachsehen. Mit gezielten Werbe- und Marketingmaßnahmen lassen sich nur noch schwer unbesetzte Marktnischen erschließen oder Reha-Klientel aus dem Ausland anwerben.
Eine Analyse der wirtschaftlichen Situation privater Reha-Klinikketten und börsennotierten Krankenhäuser bestätigt, daß die Markteinbrüche flächendeckend sind und quer durch die Branche gehen. Es gibt offenbar keine "weißen Raben", wie manche Börsianer behaupten, die auf das weitere Florieren im Reha-Bereich setzten.
Der im Markt etablierte Klinik-Konzern Rhön-Klinikum AG, Bad Neustadt/Saale, hat seit Mitte 1996 in fast allen Kurkliniken Belegungsrückgänge hinnehmen müssen. Infolge der abrupten Kündigungen ging der Umsatz im Reha-Bereich von 39,3 Millionen DM auf 29,2 Millionen DM (- 26 Prozent) zurück. Weniger Patienten
Im ersten Halbjahr 1997 schloß die Rhön-Klinikum AG zwei Rehabilitationskliniken im Kurbereich von Bad Neustadt an der Saale. Die Geschäftsleitung plant allerdings - ausweislich des jüngsten Geschäftsberichtes für 1996 -, eine Klinik nach Umbauten im Frühjahr 1998 wiederzueröffnen - dies, obwohl seit Ende des zweiten Halbjahres 1996 die Rehabilitations-Kliniken zu weniger als 50 Prozent ausgelastet sind und der Kurpark-Klinik in Bad Neustadt/Saale durch den Hauptbeleger, die BfA, zum August 1997 gekündigt wurde.
Insgesamt ist die Zahl der im ersten Halbjahr 1997 in Bad Neustadt behandelten Reha-Patienten um 38 Prozent zurückgegangen. Dagegen stieg die Zahl der in Akutkrankenhäusern der AG stationär oder teilstationär behandelten Patienten gegenüber 1996 um 31 Prozent. Allein auf Grund des noch anhaltenden Wachstums im Akutkliniksektor erhöhten sich die Umsatzerlöse des Konzerns von 619,7 Millionen DM im Jahr 1995 um 28 Prozent auf 792,6 Millionen DM im vergangen Jahr.
Als "weißer Rabe" im Bereich des Reha-Marktes wurde zuweilen die Marseille-Kliniken-AG, Hamburg, bezeichnet. Die Konzernerlöse wurden im vergangenen Jahr trotz der Strangulationen im Reha-Sektor um 140 Prozent erhöht. Allerdings ist dieses Umsatzwachstum im wesentlichen dadurch beeinflußt worden, daß nach Übernahme der Karlsruher Sanatoriums-AG allein über die gewachsene Zahl von Einrichtungen dieser Art im ansonsten durch Altenheime geprägten Konzern ein deutlicher, den Umsatz beeinflussender Mengeneffekt eingetreten ist.
Dagegen ist von den Sparmaßnahmen der zweitgrößte Klinikträger, die Paracelsus-Kliniken Deutschland, Osnabrück, betroffen. Die Geschäftsführung kündigte Anfang September an, zwei von elf Reha-Kliniken kurzfristig zu schließen, und zwar in Bad Münster und in Bad Gandersheim. Auch andere Kliniken, die im RehaBereich agieren, sind wegen Belegungsrückgängen und Kündigungen gefährdet. Dagegen ist im Bereich der Akutkliniken die Situation günstiger, weil sämtliche von Paracelsus getragenen Krankenhäuser in allen Bundesländern über einen öffentlichen Versorgungsvertrag verfügen. Kurzfristig will sich die als Personengesellschaft geführte Klinikengruppe weiter konsolidieren und in eine GmbH oder AG umwandeln. Die Rehabilitationskliniken von Paracelsus werden in der Rechtsform einer GmbH geführt.
Auf Grund des Verlustes im Geschäftsjahr 1996 in Höhe von 12,4 Millionen DM (bei einem KonzernGesamtumsatz von 46,6 Millionen DM) will die von einer Gruppe von Ärzten gegründete Eifelhöhenklinik AG, Nettersheim/Marmagen (Eifel), den seit Jahresbeginn praktizierten harten Spar- und Konsolidierungskurs unter der neuen Konzernleitung verstärken. Zudem, so wurde auf der Aktionärsversammlung Anfang August in Marmagen mitgeteilt, soll das Klinikkonzept an den Standorten Marmagen, Bonn und in Zülpich geändert werden. Wie der Vorstandsvorsitzende, Dipl.-Ökonom Arno Kuge, 47, (er amtiert seit 1. Mai 1997) gegenüber der Redaktion mitteilte, will der Konzern in Marmagen die Bettenkapazitäten im Reha-Sektor von bisher 460 auf künftig 300 Betten verkleinern. Auch soll das Angebot in entwicklungsträchtigeren Reha-Subdisziplinen erweitert werden, etwa zur Versorgung von Schlaganfallpatienten. Ziel ist es zudem, Patienten aus dem benachbarten Ausland (Luxemburg) sowie bundesländerübergreifend zu gewinnen (vgl. DÄ, Heft 34-35/1997, Wirtschaft). Dr. Harald Clade
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