ArchivDeutsches Ärzteblatt44/1997Neues Angebot: Aktien-Sparpläne für Direktanleger

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Neues Angebot: Aktien-Sparpläne für Direktanleger

Löwe, Armin

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LNSLNS Bislang war es das Privileg der Fondssparer, also der indirekten Wertpapieranleger, mit monatlichen Kleinbeträgen ein Vermögen zu bilden, das später auch der Altersversorgung dienen kann. Seit einiger Zeit werden solche Sparpläne, wie es sie für Fondsanleger schon seit 35 Jahren gibt, auch für den Direktanleger angeboten.
Die Direkt Anlage Bank (DAB) in München, Deutschlands erster Discount-Broker, macht es möglich: Für alle 100 Aktien des DAX-100-Index werden Aktienpläne für Direktanleger angeboten. Allerdings reichen bei diesem Service 100 DM nicht; mindestens 250 DM sind regelmäßig notwendig. Dieser Betrag kann monatlich, zweimonatlich, alle drei oder auch alle sechs Monate angelegt werden. Für jede Ausführung eines Aktienkaufs werden pauschal acht DM Transaktionsgebühr genommen. Das sind bei der Mindesteinzahlung von 250 DM nur 3,2 Prozent. Verglichen mit den Ausgabeaufschlägen bei Aktienfonds, die in der Regel zwischen vier und fünf Prozent liegen, ist das Angebot preiswert. Denn es fallen keine Depotgebühren an, und die Einrichtung, Änderung und Löschung des Aktiensparplans ist kostenlos.
Allerdings fehlt im Vergleich zu den Fonds-Sparplänen ein wesentliches Element: die Risikostreuung. Mit den monatlichen Sparbeträgen der Fondsgesellschaften kann sich der Anleger zum Beispiel an einem Topf von Aktien beteiligen. Das Risiko ist also verteilt auf eine Vielzahl von Aktien und Branchen. Diese Risikostreuung ist mit einem direkten Aktiensparplan nur sehr unvollkommen zu erreichen. Zudem arbeitet für den Fondssparer ein professionelles Management. Das muß er allerdings durch die jährliche Verwaltungsgebühr von 0,75 bis 1,25 Prozent bezahlen.
Andererseits muß sich der Anleger auch bei einem Aktiensparplan nicht auf eine einzige Aktie stützen. Wer im Monat 250 DM aufbringen kann, hat zum Beispiel die Möglichkeit, Sparpläne auf sechs verschiedene Aktien abzuschließen. Jeden Monat fließen die 250 DM in eine andere Aktie. Bei dieser Strategie geht aber ein anderer Vorteil verloren, den die regelmäßige Anlage in einen Aktienfonds bietet: der berühmte Cost-average-Effekt.
Antizyklisch
Wer monatlich immer einen festen Betrag in Fondsanteile steckt, handelt automatisch antizyklisch. Denn bei hohen Kursen kauft er weniger Anteile als bei niedrigen. Für 100 DM können fünf Aktien gekauft werden, wenn der Kurs bei 20 DM steht, aber nur zwei, wenn die Aktie bei 50 DM notiert. Am Ende hat der Anleger nachweislich einen Einstandskurs, der unter dem Durchschnittskurs liegt.
Um diesen Cost-average-Effekt in vollem Umfang zu nutzen, ist es notwendig, daß Bruchteile von Anteilen erworben werden können. Das ist bei den Fondssparplänen üblich, läßt sich aber bei den Aktiensparplänen natürlich nicht realisieren. Es können nur ganze Aktien gekauft werden, keine Bruchteile. Damit ist die Wirkung des Cost-average-Effekts praktisch dahin.
Beide Nachteile des Aktiensparplans lassen sich allerdings durch den Direkt-Index-Sparplan vermeiden, den die DAB auch anbietet. Ebenfalls mit jeweils 250 DM können Zertifikate auf den deutschen Aktienindex DAX, den MDAX (deutsche Aktien mit mittlerer Börsenkapitalisierung), den Nikkei 225 (Japan), den S&P 500 (USA) und den CAC 40 (Frankreich) erworben werden. Mit dem Erwerb von Indexzertifikaten erreicht der Anleger eine optimale Risikostreuung. Außerdem hat er gute Chancen, in der Wertentwicklung besser abzuschneiden als mit einem Fonds. Denn nur wenigen Aktienfonds gelingt es, in der Performance den Index zu schlagen.
Nachteile
Allerdings haben Indexzertifikate den Nachteil, daß sie nur eine begrenzte Laufzeit haben. Wenn das Ende der Laufzeit gerade in einen Crash fällt, hat ein Anleger nur die Chance, den Verlust wieder aufzuholen, wenn er sich in einem neu emittierten Indexzertifikat engagiert. Das kostet Geld - zum einen Transaktionskosten, zum anderen die Gebühr, die der Emittent der Indexzertifikate kassiert.
Was die Gebühren anbelangt, ist der Index-Sparplan durchaus konkurrenzfähig mit den Fondssparplänen. Der Anleger zahlt (wie bei den Aktiensparplänen auch) je Kauf eine Transaktionsgebühr von acht DM. Beim Mindestanlagebetrag von 250 DM sind dies 3,2 Prozent, bei monatlich 500 DM nur 1,6 Prozent. Bei den Aktienfonds-Sparplänen zahlt der Anleger dagegen auch bei höheren Anlagebeträgen in der Regel einen Ausgabeaufschlag von vier bis fünf Prozent.
In den Vereinigten Staaten bieten übrigens viele Unternehmen ihren Aktionären die Möglichkeit, ihre Depots aufzubewahren. Dividenden werden automatisch reinvestiert. Außerdem kann der Aktionär mit regelmäßigen monatlichen oder vierteljährlichen Einzahlungen Aktien "seines" Unternehmens zukaufen. Die Transaktionskosten sind geringer als beim Erwerb über die Börse oder fallen ganz weg.
Dieses Modell möchte die DAB in abgewandelter Form auch in Deutschland realisieren. Aktiengesellschaften sollen dabei in Aktiensparpläne eingebunden werden. Diese sollen die Spesen für den monatlichen Ankauf der Aktien übernehmen, die DAB würde ihrerseits die kostenlose Depotführung anbieten. Nur beim Verkauf müßte der Anleger Börsenspesen zahlen. Bislang hat sich aber noch kein Unternehmen zu dieser Art von Aktionärspflege entschließen können. Armin Löwe
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