

Alle ihre Freunde können aufatmen: Die Steinlaus ist wieder da. Aufgrund neuester Beweise ihrer
Existenz hat sich die Pschyrembel-Redaktion offenbar entschlossen, ihr in der jetzt erschienenen 258. Auflage
des "Klinischen Wörterbuches" erneut einen Beitrag zu widmen. Darin heißt es: "Seit dem ersten Auftreten
(1983; 255. Auflage dieses Werkes) und den Anfängen der Petrophagologie wird die Steinlaus nun vorwiegend
dem großstadtarchitektonischen Biotop zugeordnet, und das medizinische Interesse beschränkt sich auf die
Nieren-Steinlaus (Petrophaga nephrotica), Blasen-Steinlaus (Petrophaga vesicae), Gallen-Steinlaus (Petrophaga
cholerica). Das Ausbleiben von Beobachtungen nach 1989 (256. Auflage) scheint einerseits die Theorie zu
bestätigen, nach der die Steinlaus den Fall der Berliner Mauer nicht nur ausgelöst, sondern dadurch auch
zugleich zur Vernichtung ihrer Existenzgrundlage beigetragen habe. Da jedoch gerade gefährdete und
umstrittene Existenzen wie die der Steinlaus erfahrungsgemäß eine besonders starke Überlebenskraft im Rahmen
der natürlichen Auslese beweisen, war die Folgerung, die Steinlaus sei dem Artensterben zum Opfer gefallen
und ihre Stelle im Alphabet dieses Werkes werde vakant bleiben, von Anfang an von zweifelhafter
Schlüssigkeit." Tatsächlich sei eine Spezies der Steinlaus unter Aussparung der Großbaustelle Berlin 1996 in
einer bayerischen Klinik aufgetreten und als Petrophaga hospitalis Cranacensis beschrieben - allerdings nicht,
wie der Name vermuten ließe, in der Inneren Abteilung, sondern, "umweltfreundlich domestiziert, im Rahmen
von Bauarbeiten". Ein Foto zeigt die Schuttzerkleinerungsmaschine, in der die gebändigten Steinlauskolonien
leben und ihre Tätigkeit verrichten. Kli