ArchivDeutsches Ärzteblatt3/1996Glaxo Wellcome: Engagement für Kopfschmerzpraxen

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Glaxo Wellcome: Engagement für Kopfschmerzpraxen

Dauth, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Als der Pharmakonzern Glaxo plc im März 1995 seinen Konkurrenten Wellcome plc übernahm, entstand das größte Pharmaunternehmen der Welt. Etwa ein halbes Jahr lang war wenig über die neue Firmenpolitik zu erfahren. Seit Herbst ist jedoch mehr zu lesen über Glaxo Wellcome. Zudem berichteten Repräsentanten der deutschen Konzerntochter Ende November am Rande der Medica über Firmenaktivitäten. Hauptthema in Düsseldorf: Die Unterstützung von Arztpraxen, deren Inhaber sich auf die Behandlung von Kopfschmerzpatienten spezialisiert haben.


Glaxo Wellcome, durch Fusion zum größten Pharmaunternehmen der Welt aufgestiegen, hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Ralph U. Diehl, Geschäftsführer des deutschen Konzernzweigs, berichtete Ende November am Rande der Medica in Düsseldorf, weltweit wolle man vom Jahr 2000 an drei neue Produkte pro Jahr bis zur Marktreife entwickeln. Für 1996 sind rund 2,6 Milliarden DM an Investitionen eingeplant. Insgesamt laufen derzeit rund 50 Forschungs- und gut 90 Entwicklungsprojekte. Dennoch betonte Diehl: "Die Zeiten des reinen Pillenherstellens sind vorbei." Zwar werde man nach wie vor innovative Produkte entwickeln. In Zukunft müsse man aber auch an Home-care-Projekte und gezielte Serviceangebote für Ärzte denken.
Als ein Beispiel für einen solchen Ansatz, der schon recht weit gediehen ist, wurde in Düsseldorf das "Hamburger Praxismodell" vorgestellt. Dem Projekt liegt die Überlegung zugrunde, daß die meisten Ärzte sich nicht in allen Teilbereichen auf dem allerneuesten Wissensstand halten und ihn kompetent umsetzen können. Jeder hat aber eines oder mehrere Themen, mit denen er sich intensiver beschäftigt, beispielsweise das Thema Kopfschmerz. Hier setzt die GSB GmbH an, ein Tochterunternehmen von Glaxo, das bekanntlich das Migränemittel Sumatriptan produziert.
Mitarbeiter und externe Trainer der GSB beraten Ärztinnen und Ärzte bei der Herausbildung eines Indikationsschwerpunkts in der Praxis, zum Beispiel Kopfschmerz. Interessierte Ärzte besuchen zunächst ein Seminar mit den Themenschwerpunkten Praxismanagement, Qualitätsmanagement und medizinische Intensivfortbildung. Durch individuelle Betreuung und Serviceleistungen wie einen Konsiliardienst für Problemlösungen soll erreicht werden, daß das Erarbeitete besser umgesetzt wird. Eine Optimierung organisatorischer Abläufe hält Dr. Jürgen Oldenburg von der GSB für notwendig, um Zeit für die Patienten zu gewinnen.
Die Vorteile für den Arzt liegen seiner Meinung nach darin, daß er seine Kompetenz erhöht und dies auch Außenwirkung zeigt. Pharmaunternehmen wiederum seien an der sachgerechten Verordnung der Präparate interessiert.
Zwar finanziert Glaxo Wellcome seinen Ableger. Dennoch müssen Ärzte für die Tagesseminare 200 bis 400 DM bezahlen, für eine individuelle Beratung zusätzlich. Bislang haben sich rund 150 Ärzte zu Seminaren angemeldet. Als ein Arzt, der sich für diesen Weg entschieden hat, berichtete Dr. med. Bastian Steinberg über seine Erfahrungen. Die Pharmaindustrie liefere hochgeschliffene Präparate, meinte er, die Ärzte müßten sich auf den Umgang damit einstellen. Heute seien auch in der sogenannten Basisversorgung innovative Medikamente notwendig. Eine sinnvolle Verordnung verlange allerdings von Arzt und Patient, vorgegebene Richtlinien, Indikationen und Kontraindikationen zu beachten. Das alles fordere den Arzt und das Engagement aller in der Praxis, gerade auch in organisatorischer Hinsicht.
Steinberg bezeichnete es als sinnvoll, sich einen medizinischen Schwerpunkt in einem Indikationsgebiet zu suchen. Probleme mit niedergelassenen Kollegen habe er nicht: "Die sind glücklich und zufrieden, daß ich mich auf Kopfschmerzpatienten spezialisiert habe." Auch konkurriere er durch seine Arbeit nicht mit Schmerzambulanzen. "Dort kann man die Nachfrage von seiten der Patienten gar nicht befriedigen. Die Wartezeiten betragen manchmal ja ein halbes Jahr." Sabine Dauth

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote