ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2011Stammzelltransplantation und Sport: Bewegung reduziert vor allem Fatigue deutlich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Stammzelltransplantation und Sport: Bewegung reduziert vor allem Fatigue deutlich

Gulden, Josef

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Bei allogener Stammzelltransplantation (alloSCT) sind Patienten neben einem Risiko für Graft-versus-Host-Reaktionen und Infektionen auch durch reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit und hochgradige Fatigue in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. In einer randomisierten kontrollierten Studie am Universitätsklinikum Heidelberg und der Deutschen Klinik für Diagnostik (Wiesbaden) wurde untersucht, wie sich ein Übungsprogramm, das Patienten vor, während und nach der Transplantation großenteils selbstständig anwenden, auf diese Komplikationen auswirkt (1).

Die Hälfte der 105 Patienten trainierte vor Klinikeinweisung zu Hause, dann in der Klinik und nach Entlassung noch für 6 bis 8 Wochen. Zweimal wöchentlich gab es Ausdauer-, zweimal Krafttraining; während des Klinikaufenthalts – die Übungen waren an die Situation in der Isoliereinheit angepasst – wurde das Training zweimal pro Woche überwacht. Patienten der Kontrollgruppe wurde nur gesagt, mäßige körperliche Aktivität sei vorteilhaft. Zu Beginn, bei Aufnahme und Entlassung sowie 6 bis 8 Wochen danach wurden Fatigue, körperliche Leistungsfähigkeit und körperlicher/ psychischer Distress bestimmt.

Es zeigte sich in der Übungsgruppe eine signifikante Verbesserung beim primären Endpunkt, den Fatigue-Scores, um bis zu 15 %, im Kontrollarm aber eine Verschlechterung um bis zu 28 % (p < 0,03). Ähnliches galt für körperliche Fitness und Funktion (p < 0,03) sowie globalen Distress (p = 0,03).

Fazit: Körperliches Training bei alloSCT ist machbar und gewinnbringend für die Patienten. Die Studie bestätige erneut, dass Training zum Standard gehören sollte, meint Dr. med. Thomas Elter (Köln). Leukämiepatienten unter Hochdosistherapien tolerieren einer Studie von Elter zufolge ein konsequentes Ergometertraining, wenn die Transfusionsrichtlinien beachtet werden (Thrombozyten < 10 000/µl, Erythrozyten bei Hb < 8g/dl (2). Es gebe keine Nebenwirkungen, aber die submaximale Belastungskapazität nehme signifikant zu. Josef Gulden

  1. Wiskemann J et al.: Effects of a partly self-administered exercise program prior to, during and after allogeneic stem cell transplantation—a randomized controlled trial. Blood 2011; 117: 2604–13.
  2. Elter T et al.: Is physical exercise possible in patients with critical cytopenia undergoing intensive chemotherapy for acute leukaemia or aggressive lymphoma? Int J Hematol 2009; 90: 199–204.

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