ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2011Brandenburg: Pilotprojekt „agnes zwei“

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Brandenburg: Pilotprojekt „agnes zwei“

Dtsch Arztebl 2011; 108(14): A-748

Schmitt-Sausen, Nora

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Ohne Mitarbeiterinnen, die arztentlastende Tätigkeiten übernehmen, wird die Versorgung nicht zu sichern sein. Die KV Brandenburg geht deshalb neue Wege.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg, die AOK Nordost und die Barmer-GEK haben in einem Gemeinschaftsprojekt ein neues Patientenbetreuungsmodell zur Sicherung der medizinischen Versorgung auf den Weg gebracht. Bei der Initiative „agnes zwei“ steht eine speziell geschulte Praxismitarbeiterin chronisch kranken oder in der Mobilität eingeschränkten Patienten als Fallmanagerin zur Seite.

Sie kümmert sich beispielsweise um das Ausfüllen von Formularen und Anträgen, koordiniert Termine bei Fachärzten und in Rehaeinrichtungen, überwacht die Medikamentenpläne und bereitet Rezepte vor. Außerdem macht sie Hausbesuche und übernimmt dabei Verrichtungen wie Blutdruckmessen, Verbändewechseln und Spritzensetzen.

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„In Brandenburg werden dringend qualifizierte Kräfte gebraucht, um die Versorgung der Patienten aufrechtzuerhalten“, sagte Dr. med. Hans-Joachim Helming, Vorstandsvorsitzender der KV Brandenburg, in Potsdam. Dabei helfe agnes zwei, komplizierte und zeitaufwendige Fälle zu managen und diene damit nicht nur dem Patienten, sondern entlaste auch die Ärzte. Das Pilotprojekt wird seit Jahresanfang in drei brandenburgischen Regionen erprobt.

Mehr Einsatzmöglichkeiten

Das Projekt agnes zwei ist eine Weiterentwicklung des Konzepts AGnES (Arztentlastende, Gemeindenahe, E-Health-gestützte Systemintervention), das an der Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt worden ist. Das AGnES-Modell kommt lediglich in unterversorgten Gebieten zum Tragen und kann nur Patienten jenseits der 65 Jahre angeboten werden. Es ist ausschließlich eine Anbindung an einen Hausarzt vorgesehen.

Die Einsatzmöglichkeiten von agnes zwei sind breiter: Die Praxismitarbeiterinnen sind flächendeckend im Einsatz und können sowohl an einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis als auch an Medizinischen Versorgungszentren oder einem Ärztenetzwerk angesiedelt sein. Auch eine Anstellung über die KV ist möglich. Zudem können sich die qualifizierten Kräfte um Kranke jeden Alters kümmern. Ein Einsatz ist in allen Gebieten möglich, die einen Bedarf an Fallmanagement haben, neben der Allgemeinmedizin etwa in der Gynäkologie, bei Diabetologen oder in Rheumapraxen.

Vergütung in der Erprobung

Zur agnes zwei können sich examinierte Krankenschwestern, Fachwirtinnen für ambulante medizinische Versorgung, Medizinische Fachangestellte mit mindestens drei Jahren Berufserfahrung oder nichtärztliche Praxisassistentinnen weiterbilden. Die dafür nötige Zusatzqualifikation wird über ein individuelles Zertifikat erworben, das die Einrichtung „Innovative Gesundheitsversorgung in Brandenburg“ ausstellt. In der Pilotphase werden verschiedene Vergütungsstrukturen wie Einzelfallabrechnungen oder eine Quartalsabrechnung erprobt. Ziel seien flexible Abrechnungsmodelle, hieß es.

Nach dem Ende der Modellphase soll agnes zwei in ganz Brandenburg eingesetzt werden. Sobald die Nachfrage vorhanden ist, wolle man möglichst bald in die Breite gehen, sagte Frank Michalak, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordost.

Nora Schmitt-Sausen

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