ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1997Arznei­mittel­kommission und Techniker Krankenkasse – Schmerztherapie: Patienten mehr einbinden

POLITIK: Medizinreport

Arznei­mittel­kommission und Techniker Krankenkasse – Schmerztherapie: Patienten mehr einbinden

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die Therapie von Schmerzsyndromen ist in Deutschland keineswegs zufriedenstellend. Es hapert auf seiten der Ärzte an mangelnden Kenntnissen über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und der Abneigung gegenüber bürokratischen Vorschriften bei der Verordnung von Betäubungsmitteln; bei den Patienten scheitert der Therapieerfolg häufig an mangelnder Compliance, da die Betroffenen zu wenig über die Ursachen des Schmerzes und die Notwendigkeit für bestimmte Therapiemaßnahmen informiert sind.

"Gemeinsame Sprache"
Um diesem Manko entgegenzuwirken, haben die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft und die Techniker Krankenkasse (TK) jetzt eine gemeinsame Strategie entwickelt. Flankierend zu den Therapieempfehlungen, die die Arznei­mittel­kommission allen Ärzten anbietet, veröffentlicht die TK spezielle "Informationen für Patienten und Angehörige". Mit diesem aufeinander abgestimmten Informationsangebot sollen Patient und Arzt zu einer "gemeinsamen Sprache" finden, um sich über Risiken und Nutzen der Therapie zu verständigen, erklärte TK-Vorstand Dieter Korting auf einer Pressekonferenz in Königswinter.
Im Sinne dieser Strategie sei es sinnvoll, so Prof. Bruno Müller-Oerlinghausen als Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission, daß die Patienteninformationen der TK auch über die Ärzte ausgegeben werden. Die ersten drei Broschüren, die im Buchhandel erhältlich sind, behandeln die Themen Tumorschmerzen, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen.
Die vollständigen Therapieempfehlungen können laut Müller-Oerlinghausen mit dem Bulletin "Arzneiverordnung in der Praxis" als Abonnement gegen eine Schutzgebühr (58 DM/Jahr) bezogen werden bei der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Straße 233-237, 50931 Köln.
Für eine patientengerechte Schmerztherapie bedarf es allerdings weiterer Schritte: Obwohl hinreichend belegt ist, daß mit der medikamentösen Therapie nach dem WHO-Stufenschema etwa 90 Prozent aller Schmerzen ausreichend gelindert werden können, machen zu wenige Ärzte davon Gebrauch. Dies betrifft vor allem die Verordnung von Betäubungsmitteln. "Deutschland nimmt unter den Industrienationen hinsichtlich der Verordnung von Morphinen einen der hintersten Plätze ein", erklärte Prof. Michael Zenz (Bochum).
In Dänemark werde Morphin vierzehnmal, in England siebenmal mehr eingesetzt, ohne daß in diesen Ländern ein ausgeprägtes Sucht- und Abhängigkeitsverhalten zu beobachten wäre. Doch das Vorurteil, Morphine machten süchtig, halte sich - weniger bei den Ärzten als vielmehr bei den Patienten - immer noch hartnäckig. Eine Befragung von Infratest bei niedergelassenen und Krankenhausärzten, Onkologen und Schmerztherapeuten verstärkt diesen Eindruck.
In der Erhebung wurde insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit die "Morphin-Mythen" bei den untersuchten Arztgruppen nachzuweisen sind. Die oft zitierte Angst der Behandler vor Sucht und Abhängigkeit wird deutlich seltener angegeben als gemeinhin angenommen. Als positive Einschätzung adäquater Opioidtherapie werden Schmerzfreiheit und Zunahme an Lebensqualität genannt. Im Gegensatz zu diesen eher positiven Einschätzungen werden bürokratische Hemmnisse erwartungsgemäß als Ursache restriktiver Verschreibungspraxis angegeben. zyl

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