ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1997Seychellen: Island-Hopping unterm Äquator

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Seychellen: Island-Hopping unterm Äquator

Sick, Hans-Peter

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Keine zwölf Stunden nach dem Abflug aus Frankfurt zum Nachtflug mit Air Seychelles empfingen uns ein rosaroter Himmel, türkisfarbenes Wasser und eine Luftfeuchtigkeit von fast 100 Prozent. Auf 4 Grad 17 Minuten südlicher Breite und 55 Grad 43 Minuten östlicher Länge wartete die "MS Galileo Sun" in den Wellen des Indischen Ozeans im Insel-Archipel der Seychellen auf uns. An Bord wurde bei duftendem Kaffee, saftigfrischen Ananas, Papayas, Melonen, Carambols und Guaven das Frühstück serviert, als wir nach der Überfahrt mit dem "Dingi" und einer Morgendusche auf dem Schiff aus dunklen Edelhölzern eintrafen. "IslandHopping" ohne lästigen Hotelwechsel war für die nächsten Tage angesagt.
Dank zweier "Dingis" konnte jede Bucht, jeder Strand angelaufen werden, war er auch noch so einsam - sofern die Besitzer kleiner Eilande die Erlaubnis erteilten. Zwischen den Ausflügen auf die Inseln gab es immer wieder Gelegenheit zum Schnorcheln und Tauchen. An den ins Wasser abfallenden Granitfelsen von La Digue zum Beispiel tummelten sich Clownfische, Anemonenfische, Papageienfische, Schwärme von Makrelen in unglaublicher Zahl. Eine friedliche Unterwasserwelt mit schneeweißem, feinsten Pudersand zwischen den bunten Korallen.
Etwas ungläubig schauten wir den Ersten Offizier Alexis an. "Paßt auf die Haifische auf", warnte er, als wir uns von der Reling der "Galileo" in das seichte Wasser zwischen Praslin und Curieurs plumpsen ließen. Kaum waren wir aber von dem erfrischenden Bad "im größten Whirlpool" zurück an Bord des Zweimasters, kreisten auch schon vier kleine, graue Riffhaie um das Heck des Schiffes. Die Raubtiere konnten uns aber nicht
von weiteren erfrischenden Schwimmstunden im Indischen Ozean abhalten, sollen sie doch nur Lebewesen bis zu einer Größe von 30 Zentimetern gefährlich werden. Manchmal begleiteten uns silbergraue Delphine bei unserem Törn. Als wir am Strand der "Anse Volbert" auf Praslin anderntags auf unser "Dingi" warteten, sahen wir sie wieder: vier Riffhaie und einen Rochen. Vier Fischer kamen gerade mit ihrem kleinen Boot und schleppten den "catch of the day" an Land. Am goldgelben Sandstrand wurden die Fische zur Mittagsstunde unter zahlreichen Anweisungen fachmännisch zerlegt und gleich verkauft.


Baldachin aus Blättern
Ängstlich blickten wir im Vallée de Mai zum Himmel - wenn wir ihn erblickt hätten. Ein dichter Baldachin aus dunkelgrünen Blättern machte es jedem Sonnenstrahl fast unmöglich, auf den Boden des Nationalparks zu dringen. In luftiger Höhe von fast 30 Metern wiegten sich bis zu 20 Kilogramm schwere Kokosnüsse im Wind. Seit Jahrmillionen gedeihen in diesem "Garten Eden" die seltenen "Coco-de-MerFrüchte" (deren Ausfuhr verboten ist). Aber nicht nur der "Apfel der Sünde" gehört zu den exotischen Pflanzen im Vallée de Mai, das von der Unesco zum "Naturerbe der Menschheit" erklärt wurde.
Beim Segeltrip trafen wir auf dem Eiland Cousin auf die bedächtigen Riesenschildkröten. Auf der nur 27 Hektar großen Insel ist der Besuch limitiert. Trotz Moskitos waren wir dort von den zahmen WeißschwanzTropikvögeln und den Feenseeschwalben begeistert, die ihren Nachwuchs mit Argusaugen bewachten. Am Boden wuselten unzählige braune Geckos über die Wege. Über Aride (die Insel ist im Privatbesitz eines Schokoladenherstellers) kreisten Fregattvögel im Wind und warteten nur darauf, frechen Möwen den Fang wegzuschnappen.
Mit 24 000 Einwohnern (rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Seychellen) ist die Hauptstadt Victoria auf Mahé der größte Ort der seit 1976 unabhängigen Republik. Neben der (bislang) einzigen Verkehrsampel im ganzen Land bildet der dem Big Ben in London nachempfunde Clock Tower den Mittelpunkt der kleinen Stadt. Zwischen Albert Street, Revolution Avenue und Market Street liegt in einem malerischen Viertel mit alten Kolonialhäusern der Markt mit seinem tropischen Angebot. Neben fangfrischen Fischen werden an den Ständen auch jede Menge an exotischem Obst und Gemüse feilgeboten. Waren Mango, Litchi oder Papaya noch halbwegs zu identifizieren, wurde es bei Jackfruit, Zat, Corasol, Passionsfrucht, Brotfrucht oder Loquat schon schwieriger.


Refugium des Präsidenten
Die schönste Insel der Seychellen ist sicherlich La Digue. Nicht nur wegen des Landhauses, in dem "Emanuelle" mit Sylvie Kristel gedreht wurde und das heute dem Staatspräsidenten als Wochenendhaus dient. Über 60 Millionen Jahre alte, rundgeschliffene Granitfelsen wechseln im Sonnenlicht ständig ihre Farbe. Wasser und Wind sorgten für ein "Murmelspiel" im Indischen Ozean. Zwischen dem rosa Chaos aus Stein streckten sich Kokospalmen zum Himmel. Der "Pointe Source d’Argent" gehört sicher zu den meistfotografierten Punkten der Seychellen. Modefotografen und Werbefilmer haben die Kulisse an der "Silberquelle" längst entdeckt.
Der Hauptinsel Mahé ist die Inselgruppe des St.- Anne-Nationalparks vorgelagert: ein Tauchparadies mit bizarren Riffen und einer üppigen Unterwasserfauna. An Land kann man Ile Rounde in nur wenigen Minuten umrunden, zu Fuß. Keine 150 Meter Durchmesser hat das Eiland. Eine alte Leprastation ist heute ein Restaurant. Bei "Chez Gaby" gibt es die "besten Thunfischsteaks der Welt". Der Höhepunkt beim Buffet unter freiem Himmel: ein unbeschreibliches Mango-Mousse.
Im seichten, knietiefen Wasser ist es kein Problem, von Insel zu Insel zu waten. Als wir am Strand der Ile Longue aus den türkisfarbenen Fluten stiegen, blickten wir ziemlich unvermittelt in den Lauf einer Maschinenpistole. "Betreten verboten", meinte ein Uniformierter. "Verlassen Sie bitte die Insel sofort wieder", duldete er keinen Widerspruch. Wir hatten uns auf die Gefängnisinsel der Republik verirrt. Eigentlich wären wir schon gerne an diesem paradiesischen Zipfel auf dem Erdball geblieben. Aber nicht gerade auf der Gefängnisinsel. Hans-Peter Sick


Reise-Infos
Anreise: Von Frankfurt fliegt einmal wöchentlich (freitags) Air Seychelles nonstop nach Mahé. Zwischen den Inseln pendeln zum Teil Fähren, oder Air Seychelles sorgt mit kleinen Propellermaschinen für "IslandHopping".
Das Schiff: Die "MS Galileo Sun" lief 1994 in Piräus vom Stapel und fährt unter griechischer Flagge. Platz ist in Doppelkabinen für 36 Personen. Im flachen Revier der Seychellen kann der Zweimaster seine 800 Quadratmeter Segel nur selten voll setzen: Ansonsten läuft das einer römischen Galeere nachempfundene Boot mit elf Mann Besatzung unter Motor. Die Verpflegung an Bord ist griechisch mit kreolischem Einfluß. Vor allem die gegrillten Red Snappers von Chefkoch Anasis sind "ein Gedicht". Meistens gibt es keine Möglichkeit, einen Hafen anzulaufen; dann wird mit "Dingis" zum Festland übergesetzt. Manchmal mußte auf "hoher See" (wenige Meter vom Strand entfernt) nochmals umgestiegen werden, ehe mit einem weiteren Boot eine Welle abgewartet und dann an den Strand "gesurft" wurde.
Kosten: Die Seychellen sind kein kostengünstiges Reiseland. Eine einwöchige Segelreise in Doppelkabine mit Vollpension kostet ab 2 100 DM (ohne Flug), plus Extras.
Zahlungsmittel: Die großen Hotels und Geschäfte akzeptieren alle gängigen Kreditkarten, Banken tauschen Eurocheques. Drei Seychellen-Rupien (SR) entsprechen etwa einer DM.
Klima: Bei Durchschnittstemperaturen zwischen 25 und 30 °C und einer ganzjährig hohen Luftfeuchtigkeit ist leichte, sportliche Baumwollkleidung empfohlen. Monsunregen herrscht zwischen November und April.
Informationen: Fremdenverkehrsamt der Seychellen, Hochstraße 15, 60313 Frankfurt/Main, Tel 0 69/29 20 64, Fax 0 69/29 62 30.

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote